. Aknebehandlung

Aknetherapie kann Augen schaden

Eine Aknetherapie mit Isotretinoin kann zu Problemen mit den Augen führen. Dermatologen sollten ihre Patienten über die Möglichkeit dieser Nebenwirkungen aufklären.
Aknetherapie kann ins Auge gehen

Aknetherapie kann ins Auge gehen

Schon lange wurde vermutet, dass eine Aknetherapie mit Isotretinoin zu Problemen mit den Augen führen kann. Viele Einzelfallberichte und kleinere retrospektive Studien wiesen darauf hin. Berichtet wurde von trockenen Augen, Kontaktlinsen-Intoleranz, Bindehautentzündung (Konjunktivitis), einer Überempfindlichkeit der Augen gegen Licht (Fotophobie) und einer Verschlechterung des Sehvermögens. Da es aber kaum Placebo-kontrollierte Studien zu dem Thema gab, blieb unklar, ob es sich hier tatsächlich um Nebenwirkungen der Therapie handelte. Nun haben israelische Forscher mit Hilfe eines grossen Registers versucht, Klarheit zu schaffen.

Das Forscherteam um Dr. Meira Neudorfer aus Tel Aviv betrachtete die Daten von jeweils 15.000 Patienten Aknepatienten mit und ohne Isotretinoin-Therapie und von ebenso vielen gesunden Kontrollpersonen. Die Studie, die im Magazin Archives of Dermatology veröffentlicht wurde, zeigte, dass Patienten, die eine Aknetherapie mit Isotretinoin erhielten, ein um 70 Prozent höheres Risiko hatten, Probleme mit den Augen zu bekommen, als gesunde Patienten. Am häufigsten kam es dabei zu einer Konjunktivitis. Auch trockene Augen traten verstärkt auf. 4,3 Prozent der Patienten, die mit Isotretinoin behandelt wurden, benötigten Augentropfen, aber nur 0,7 Prozent der Aknepatienten, die kein Medikament erhielten, und 0,3 Prozent der Patienten, die nicht unter der Hautkrankheit litten.

Auch die Akne selbst kann zu Augenproblemen führen

Insgesamt zeigte die Studie, dass unter einer Behandlung mit Isotretinoin bei jedem siebten Patienten Probleme mit den Augen auftreten. Die Studienautoren erklären dies damit, dass Isotretinoin die Funktion der Meibom-Drüsen unterdrückt, die normalerweise Lipide absondern, welche die Tränenflüssigkeit stabilisieren. Ohne Lipide verdunstet die Tränenflüssigkeit schnell, was zu einem trockenen Auge und in der Folge zu okulären Problemen führen kann.

Aber nicht nur die Therapie mit Isotretinoin, sondern auch die Akne selbst kann den Augen schaden. In der Studie wurde deutlich, dass auch Aknepatienten, die kein Medikament erhielten, häufiger Probleme mit den Augen hatten als Gesunde - allerdings seltener als Patienten mit einer Isotretinoin-Therapie. Daher sei, räumen die Dermatologen ein, ein gewisser Teil der okulären Probleme auf die Akne selbst zurückzuführen. Dennoch raten die Forscher, alle Patienten, die eine Aknetherapie mit Isotretinoin erhalten sollen, über mögliche Augenprobleme aufzuklären.

Foto: detailblick/fotolia.com

Autor:
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Dermatologie , Haut , Augenkrankheiten

Weitere Nachrichten zum Thema Haut

| Mit Hilfe eines 3D-Druckers ist es spanischen Forschern gelungen, voll funktionsfähige menschliche Haut herzustellen. Die Bestandteile dafür stammen vom Patienten selbst. Versuche haben gezeigt, dass die Haut eigene Strukturproteine produziert und problemlos anwächst.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Stress löst bei der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) einen depressionsartigen Zustand aus. Dieser ließ sich durch Lithium oder Zucker beheben. Dies ergab eine Studie von Neurobiologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KommRum e.V., Schnackenburgstr. 4, 12159 Berlin-Friedenau
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.