. Kampagne

AIDS-Hilfe will Aids ab dem Jahr 2020 „beenden“

Ab dem Jahr 2020 soll in Deutschland niemand mehr an Aids erkranken. Dieses ambitionierte Ziel will die Deutsche AIDS-Hilfe mit einer neuen Kampagne erreichen. Diesmal geht es allerdings nicht um Safer Sex.
Ende von Aids ist nicht gleich Ende von HIV: Neue Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe ruft zum HIV-Test auf

Ende von Aids ist nicht gleich Ende von HIV: Neue Kampagne der Deutschen AIDS-Hilfe ruft zum HIV-Test auf

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) hält ein Ende von Aids für machbar. Nun hat sich die Organisation ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Schon ab dem Jahr 2020 soll in Deutschland niemand mehr an Aids erkranken müssen. Eine entsprechende Kampagne unter dem Motto „Kein AIDS für alle!“ wurde am Freitag in Berlin vorgestellt. Schwerpunkt der Kampagne ist, Menschen zum HIV-Test zu motivieren und den Zugang zu HIV-Medikamenten zu erleichtern.

„Dass Menschen eine potenziell tödliche Krankheit bekommen, die sich längst vermeiden lässt, dürfen wir nicht hinnehmen“, betonte DAH-Vorstandsmitglied Manuel Izdebski mit Blick auf die jährlich rund 1.000 Neuerkrankungen in Deutschland (nicht zu verwechseln mit neuen HIV-Diagnosen). Aids bricht demnach in den meisten Fällen bei denen aus, die nichts von ihrer Krankheit wissen. Nach Schätzungen der Aids-Hilfe leben rund 13.000 Menschen unwissentlich mit HIV im Land. „Mit vereinten Kräften möchten wir in Deutschland die Bedingungen schaffen, dass alle Menschen mit HIV frühzeitig von ihrer Infektion erfahren und eine Therapie erhalten“, so Izdebski. Die Medikamente verhinderten dann auch die Weitergabe von HIV.

Schneller als die UN

Mit ihren Forderungen will die AIDS-Hilfe das Ende von Aids beschleunigen. Die Vereinten Nationen (UN) streben dagegen an, dass die Aids-Epidemie erst bis 2030 beendet werden soll. Aus Sicht der Deutschen Aids-Hilfe kann dieses Ziel in Deutschland deutlich früher erreicht werden, weil es hierzulande ein leistungsfähiges Gesundheitssystem gibt und die Zahlen der HIV-Infektionen im internationalen Vergleich gering sind. „Wir wissen, dass Deutschland als gutes Beispiel vorangehen kann“, betonte UNAIDS-Direktor Michel Sidibé in seiner Videobotschaft. Es sei der richtige Weg, Menschen zum HIV-Test zu motivieren, zu viele würden ihren HIV-Status nicht kennen.

 

Medikamente sollen’s richten

Aids zu beenden ist ein historisches Ziel. Im Gegensatz zu früher appelliert man aber nicht mehr an „Safer Sex“ mit Kondomen, sondern setzt auf Früherkennung und Medikamente. Kritiker sehen darin die Gefahr, dass sich zu viele auf die schützende Wirkung der HIV-Medikamenten verlassen könnten.

Vor einem Jahr hatte die Facebook-Aktion „Wir machen’s ohne – Safer Sex durch HIV-Therapie“ für Empörung gesorgt. Während etliche Organisationen und Politiker vor einer trügerischen Sorglosigkeit warnten, begrüßte die Deutsche Aids-Hilfe die Aktion. Sex ohne Kondom könne durchaus Safer Sex sein, nämlich dann wenn ein HIV-Positiver HIV nicht weitergeben könne, hieß es damals. Mit der neu gestartete Kampagne bläßt die Organisation ins gleiche Horn.

Neue HIV-Therapien können zwar derart die Viruslast verringern, so dass das Virus nicht mehr im Blut nachweisbar ist. Das Tückische von HIV ist aber, dass sich die Viren im Körper verstecken. Ein Restrisiko, andere anzustecken, ist Experten zufolge nie hundertprozentig ausgeschlossen.

Foto: © tashatuvango - Fotolia.com

 

Weitere Nachrichten zum Thema HIV

| HIV ist heute gut behandelbar. Doch knapp 13.000 Menschen in Deutschland wissen nichts von ihrer Infektion. Die Deutsche Aids-Hilfe will darum (Haus-) Ärzte stärker mit ins Boot nehmen und gibt ihnen hilfreiche Tipps.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
 
. Weitere Nachrichten
Listerien, EHEC-Erreger, Campylobacter – in Fleisch und Wurstprodukten stecken jede Menge Krankheitserreger. Das Zoonosen-Monitoring 2017 zieht eine unappetitliche Bilanz. Dabei wurden nur Stichproben ausgewertet. Die Wahrheit könnte noch viel schlimmer sein.
Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der meist im Kleinkindes- und Kindesalter auftritt. Forscher der Universität Bonn haben nun gemeinsam mit einem internationalen Team eine Form der Erkrankung identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Unter Umständen kann man den Betroffenen zukünftig mit einer deutlich schonenderen Behandlung helfen als bisher.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35 10717 Berlin, Mehrzweckraum (EG)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.