Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Affenpocken: Auch von Patienten berührte Gegenstände können stark virusbelastet sein

Sonntag, 3. Juli 2022 – Autor:
Gegenstände oder Kleidungsstücke, die von Affenpocken-Patienten berührt wurden, können hochgradig mit dem Virus belastet sein. Das zeigt eine Studie der Uniklinik Hamburg. Ein Risiko für Dritte sehen die Wissenschaftler nur in Ausnahmefällen.
Mann steckt bunt gestreiftes Shirt in die Waschmaschine.

In Kleidungsstücken von Affenpocken-Patienten fanden Hamburger Wissenschaftler noch mehr Erreger als auf von ihnen berührten Gegenständen oder Oberflächen. – Foto: AdobeStock/Nito

Anders als Covid-19 sind Affenpocken keine hochinfektiöse Krankheit von pandemieartigen Ausmaßen. Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten. Und sie ist nur durch sehr engen Kontakt mit einer an Affenpocken erkrankten Person möglich – wie beim Sex zum Beispiel. So kann eine Infektion durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf von Infizierten auftreten. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben jetzt festgestellt: Auch Oberflächen, die an Affenpocken erkrankte Patienten berührt haben, können hochgradig mit dem Virus belastet sein.

Millionen Virusbestandteile auf Gegenständen und Wäsche

Auf Oberflächen, die direkt mit der Haut der erkrankten Patienten in Berührung gekommen sind oder die erkrankte Patienten mit den Händen berührt haben, konnten die Forschenden bis zu eine Million Virusbestandteile nachweisen. In kontaminierter Wäsche waren es sogar bis zu zehn Millionen. Kleinste Virusspuren konnten die Wissenschaftler auch noch außerhalb der mit Patienten belegten Räume finden. Aber wie gefährlich können diese Erreger auf Dingen und Oberflächen für nicht-infizierte Dritte sein?

 

Kontaminierte Oberflächen: Aufpassen sollen Lebenspartner und Medizinpersonal

 „Wir gehen davon aus, dass Oberflächen sehr stark belastet sein müssten, um sich durch den Kontakt mit dieser Oberfläche anstecken zu können“, sagt Johannes Knobloch, Leiter der Studie und des Arbeitsbereichs Krankenhaushygiene des UKE. „Dies betrifft wahrscheinlich vor allem in der Versorgung betroffener Patienten tätige Menschen sowie Personen, die mit einem Erkrankten zusammenleben.“

Gefahr für Dritte? Forscher geben erst mal Entwarnung

Von öffentlich zugänglichen Handkontaktflächen wie Türklinken oder Aufzugknöpfen gehe nach den bisherigen Erkenntnissen keine Gefährdung aus, heißt es in der Studie weiter. Grundsätzlich geben die Hamburger Forscher also erst mal Entwarnung: Mit der Studie sei „noch nicht bewiesen, dass sich andere Menschen durch den Kontakt der kontaminierten Oberflächen anstecken können“.

„Affenpocken“: Normal nur ein Thema bei Afrika-Reisen

Normalerweise treten Infektionen mit Affenpocken bei Menschen auf, die West- oder Zentralafrika bereist haben. Vor allem in Nigeria werden seit 2017 vermehrt Infektionen nachgewiesen. Seit Anfang Mai wurden in mehreren europäischen Ländern Fälle von Affenpocken registriert –  zuerst in Großbritannien, später in Spanien und Italien. Ende Mai wurden die ersten Infektionen in Deutschland bestätigt.

Kurios: Affenpocken-Infektion im Inland – ohne Reise

Der deutsche „Patient Nummer eins“ aus München hatte sich vor Bekanntwerden der Infektion in Portugal und Spanien aufgehalten und das Virus mutmaßlich von dieser Reise mitgebracht. Beim kurze Zeit später entdeckten ersten Fall in Berlin dagegen hatte der Patient die Stadt in jüngster Zeit nicht verlassen. Sein Arzt vermutete, dass er sich wenige Tage bei einem Club-Besuch infiziert haben könnte. In den meisten Fällen handelte es sich um Männer, die sexuellen Kontakt mit Männern hatten.

Affenpocken: Typische Symptome und Krankheitsverlauf

Die Inkubationszeit – also die Zeitspanne zwischen Infektion und dem Ausbruch der Krankheit – beträgt bei Affenpocken zwischen 7 und 21 Tagen. Die Krankheit verursacht meist nur milde Symptome. Die meisten Patienten erholen sich innerhalb mehrerer Wochen davon.

Eine beginnende Erkrankung ist an folgenden Erstsymptomen erkennbar: Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten. Im zweiten Krankheitsstadium entwickeln sich nach dem Auftreten von Fieber fleckenartige Ausblühungen auf der Haut, die verschiedene Stadien durchlaufen und am Ende verkrusten und abfallen. Die Fleckenbildung beginnt häufig im Gesicht und breitet sich dann auf andere Körperteile aus. Insbesondere bei einigen der aktuellen Fälle wurde auch von einem Beginn dieser „Effloreszenzen“ im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane berichtet.

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hygiene , Infektionskrankheiten , Viren
 

Weitere Nachrichten zum Thema „Affenpocken“

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die Immunantwort auf eine Covid-19-Impfung fällt bei jüngeren Menschen bekanntlich besser aus als bei älteren. Immunologen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein konnten jetzt zeigen, warum: Es liegt am höheren Anteil der naiven Immunzellen.


 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin