. E-health

Ärztetag beschließt Online-Sprechstunde

Der Deutsche Ärztetag hat sich mit großer Mehrheit für eine Erweiterung der online-Sprechstunde ausgesprochen. Nach der neuen Regelung darf künftig auch der Erstkontakt über Skype & Co. erfolgen.
Ärztetag

Josef Mischo von der Bundesärztekammer: Persönlicher Kontakt bleibt Goldstandard` ärztlichen Handelns

Was in anderen Ländern längst erlaubt ist, wird nun auch in Deutschland kommen: Eine Behandlung, die ausschließlich über Kommunikationsmedien stattfindet – ohne physischen Kontakt zwischen Arzt und Patient. Bislang war eine Fernbehandlung nur erlaubt, wenn sich Arzt und Patient bereits kannten. Diese Regelung ist nun durch eine Neufassung des § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung für die in Deutschland tätigen Ärzte überholt.

Die neue Regelung entspricht den Forderungen des letztjährigen Deutschen Ärztetages. Diese sahen vor, die Behandlung und Beratung aus der Ferne unter bestimmten Anforderungen zu ermöglichen, aber gleichermaßen den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt weiterhin in den Vordergrund zu stellen.

Berufsordnung geändert

„Wir wollen und müssen diesen Prozess gestalten und dieses Feld mit unserer ärztlichen Kompetenz besetzen“, sagte Dr. Josef Mischo, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer und Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der Bundesärztekammer, vor den 250 Abgeordneten des Deutschen Ärztetages. Mischo stellte klar, dass digitale Techniken die ärztliche Tätigkeit unterstützen sollen. Sie dürften aber nicht die notwendige persönliche Zuwendung von Ärztinnen und Ärzten ersetzen. „Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt stellt weiterhin den `Goldstandard` ärztlichen Handelns dar“, betonte Mischo.

In der geänderten Berufsordnung heißt es:

Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird.“

Die beschlossenen Änderung muss nun in die rechtsverbindlichen Berufsordnungen der Landesärztekammern aufgenommen werden.

 

Absage an Virtuelle Arztpraxen

Weiter sprach sich die Mehrheit der rund 250 Ärzte dafür aus, Beratungen und Behandlungen aus der Ferne in die bestehenden Versorgungsstrukturen einzubinden. Dies solle aber nur Vertragsärzten erlaubt sein. In einer Entschließung sprachen sich die Ärzte ausdrücklich gegen den Aufbau eines neuen eigenständigen Versorgungsbereichs einer telemedizinischen Primärversorgung aus. Insbesondere kommerziell betriebene Callcenter will der Ärztetag vermeiden: In einer Entschließung dazu heißt es: „Kapitalorientierte Gesellschaften dürfen im vertragsärztlichen Sektor nicht in Konkurrenz zu Vertragsärzten treten oder gar Betreibereigenschaften für medizinische Versorgungszentren erhalten."

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ärzte , Telemedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Telemedizin

| Fast 50 Prozent der Deutschen würden gerne eine Videosprechstunde nutzen. Ärzte sind jedoch eher skeptisch. Worauf diese unterschiedlichen Einschätzungen beruhen, wollte nun die Bertelsmann-Stiftung durch eine Umfrage herausfinden.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Mit dem Alter altert auch das Immunsystem. Ab dem 60. Lebensjahr wächst deshalb unter anderem die Gefahr, eine bakterielle Lungenentzündung zu bekommen. Die verläuft in jedem zehnten Fall tödlich – dabei lässt sich das Risiko durch eine Impfung gegen Pneumokokken deutlich senken.
Bei fast allen Erkrankungen wird körperlicher Aktivität ein positiver Einfluss auf den Krankheitsverlauf nachgesagt. Zum Teil wird sie sogar schon gezielt als Therapie eingesetzt. Eine Meta-Analyse zeigt nun: Durch körperliche Aktivität kann die Gesamtsterblichkeit um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35 10717 Berlin, Mehrzweckraum (EG)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.