Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Ärzteinitiative gegen „Mondpreise“ für Medikamente

Donnerstag, 18. Juni 2015 – Autor: Cornelia Wanke
Über 140 deutsche und österreichische Ärztinnen und Ärzte haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen, die sich gegen teure Medikamente ausspricht – vor allem im Indikationsbereich Hepatitis C.

Zu teuer oder - oder angemessen? Arzneimittelpreise in der Kritik. – Foto: monropic - Fotolia

Die Ärzte zeigen sich in einer Pressemitteilung einerseits froh darüber, „dass sie nun endlich Therapien zur Hand haben, mit denen sie den größten Teil der Hepatitis-C-Patienten heilen können“. Gleichzeitig beobachten sie die aus ihrer Sicht unangemessen hohen Kosten für die Medikamente mit Sorge. Diese liegen laut Initiative pro Patient in Deutschland derzeit zwischen 44.000 Euro bis deutlich über 50.000 Euro, in Einzelfällen sogar über 100.000 Euro für zwei bis sechs Monate Behandlung - je nach Hepatitis-C-Genotyp und Ausmaß der Leberschädigung.

Ärzte fürchten, Gesundheitswesen könnte aufgrund hoher Preise kollabieren

„Angesichts der schätzungsweise 200.000-300.000 Hepatitis-C-Patienten alleine in Deutschland ist absehbar, dass das öffentliche Gesundheitssystem kollabieren würde, wenn diese alle konsequent behandelt würden. Das finden die unterzeichnenden Ärzte nicht akzeptabel“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative. Dies betreffe die Situation in den reichsten Industriestaaten. Für die meisten der Hepatitis-C-positiven Menschen in den Ländern des globalen Südens (weltweit schätze die WHO die Zahl auf 130 bis 150 Millionen) werde die Behandlung - trotz einer Vereinbarung über eine Vergünstigung des Wirkstoffs in bestimmten Ländern - bis auf weiteres unerschwinglich bleiben.

 

Teure Arzneimittel? Initiatoren appellieren an Unternehmen und Politik

"Grund dafür ist das Streben nach Gewinnmaximierung der auf diesem Markt aktiven Konzerne Gilead, Janssen-Cilag, Bristol-Myers Squibb und Abbvie", werden die Initiatoren des Aufrufes, Dr. Stephan Dupke und Dr. Gerd Klausen aus Berlin, zitiert. Nach eigenen Aussagen halten es die Ärzte für „angemessen und notwendig“, eindringlich auf die Problematik hinzuweisen – insbesondere deshalb, „weil auch die Einigung in den Preisverhandlungen zwischen Gilead und den Krankenkassen im Rahmen des Prozesses zum Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) in Deutschland nicht zu einer wesentlichen Preissenkung ... geführt hat.“ 

Folgender Wortlaut findet sich in ihrem Appell: "Wir rufen die beteiligten Firmen zur Mäßigung auf und zur drastischen Reduktion der Preise der direkt antiviral wirkenden Hepatitis-C-Medikamente, so dass diese breit eingesetzt werden können.“ Und sie fordern die Politik auf, „schnell wirksame Regulationsmechanismen zu entwickeln, die der maßlosen, unkontrollierten und rein gewinnorientierten Preisgestaltung von neuen Medikamenten durch Pharmafirmen auf Kosten der Sozialsysteme Einhalt gebieten." 

Foto: Fotolia - monropic

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arzneimittel

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Mit der Bildung der Ampel-Koalition rückt die „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken“ in greifbare Nähe. Aber wie soll oder könnte das aussehen? Melanie Dolfen gehörte zu den ersten Apothekern in Deutschland, die eine Ausnahmegenehmigung für die Abgabe von Cannabis als Arzneimittel erhielten. Sie fordert: Abgabe über Apotheken – aber in getrennten „Cannabis-Stores“.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin