. Ärzte-Kampagne

Ärzte werben für mehr Wertschätzung

Ärzte und Psychotherapeuten fühlen ihre Arbeit in der Öffentlichkeit immer weniger wertgeschätzt. Jetzt gehen sie mit einer bundesweiten Kampagne in die Offensive. Das Motto heißt „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“.
Ärzte werben für mehr Wertschätzung

Niedergelassene Ärzte wollen Prestigeverlust nicht länger hinnehmen

Seit 26. April sind in fast 250 deutschen Städten Großflächenplakate mit den Gesichtern von Haus- und Fachärzten sowie Psychotherapeuten zu sehen. Mit der Kampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“  wollen die niedergelassen Ärzte besonderen Wert ihrer Arbeit verdeutlichen und auch einen Beitrag gegen den drohenden Ärztemangel leisten. Medial wird die Kampagne außerdem von Anzeigen, einem Kinospot und einer eigens eingerichteten Website begleitet.

Die Vertreterversammlung der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Kampagne initiiert, weil ihrer Ansicht nach das Ansehen der Ärzte in der Öffentlichkeit gelitten hat. Die KBV stützt sich dabei auf den Ärztemonitor - verschiedene Befragungen von tausenden Ärzten und Psychotherapeuten zum Sicherstellungsauftrag. Dort hatte sich gezeigt, dass unter der Ärzteschaft der Eindruck und das Gefühl weit verbreitet sind, ärztliches und psychotherapeutisches Tun beim Patienten findet immer weniger Wertschätzung in Gesellschaft und Politik.

Kampagne will auch dem Ärztemangel entgegenwirken

„Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland leisten einen unersetzbar wertvollen Beitrag für die gesamte Gesellschaft. Sie engagieren sich tagtäglich im hohen Maße für ihre Patienten. Dabei werden die Rahmenbedingungen immer schwieriger“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Köhler. Die auf fünf Jahre angelegte Kampagne soll nach Köhlers Worten ein realistisches Bild vom Berufsstand zeigen. „Unser Ziel ist, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was der Arztberuf wert ist und dass Ärzte durch niemanden zu ersetzen sind. Und wir wollen eine Debatte anstoßen, wie die Rahmenbedingungen so gestaltet werden können, dass wir auch morgen noch genügend niedergelassene Ärztinnen und Ärzte haben, die für die Menschen da sein können“, so Köhler. Es seien nun einmal die Ärzte und Psychotherapeuten, die jeden Tag dafür sorgten, dass es eine ambulante Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger gebe.

Ein weiteres Ziel der Kampagne sei es, den Arztberuf auch für junge Menschen wieder attraktiver zu machen. Deshalb seien im Rahmen der Kampagne auch Maßnahmen geplant, die sich gezielt an den medizinischen Nachwuchs richten. „Wenn wir auch in Zukunft die wohnortnahe ambulante Versorgung insbesondere auf dem Lande sichern wollen, brauchen wir mehr junge Mediziner, die sich nach ihrem Studium für die Niederlassung in der Praxis entscheiden. Arzt zu sein ist eine der schönsten Aufgaben, die es gibt“, erläuterte Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der KBV.

 

Bundesärztekammer stellt sich hinter die Kampagne der KBV

Der Präsident der Bundesärztekammer Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery äußerte sich positiv zu der Kampagne. Pauschalvorwürfe der Krankenkassen hätten die gesamt Ärzteschaft in der Öffentlichkeit in Misskredit gebracht. Das wolle man nicht länger hinnehmen. „Wir kämpfen dafür, dass der Arztberuf in der Öffentlichkeit wieder die Anerkennung erhält, die er verdient, und dass das Vertrauen der Menschen in ihre gesundheitliche Versorgung gestärkt wird“, sagt Montgomery. „Deshalb unterstützen wir die Kampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.“

In Deutschland haben 60.350 Hausärzte, 78.188 Fachärzte und 18.167 Psychotherapeuten eine kassenärztliche Zulassung. Im Schnitt arbeitet ein Arzt 55 Stunden wöchentlich. Die Behandlung von Patienten macht nur einen Teil der Arbeit aus. Etwa 12 bis 14 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf bürokratische Aufgaben.

Für die Kampagne fließen keine Versichertengelder. Ärzte und Psychotherapeuten zahlen sie selbst. Umgerechnet auf den einzelnen Arzt betragen die Kosten für die gesamte Laufzeit 1,66 Euro pro Monat. Mit der Umsetzung der Kamagne bis 2017 wurde die Kommunikationsagentur „ressourcenmangel“ beauftragt.

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ärzte , Niedergelassene Ärzte , Psychotherapeuten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ärzte

| 56 Prozent der niedergelassenen Ärzte in Deutschland befürchten Probleme bei der Suche nach einem Nachfolger für die eigene Praxis. Nur ein Viertel ist sich sicher, die Praxis zum Ruhestand erfolgreich verkaufen zu können. Brisant daran: Für jeden zweiten selbstständigen Arzt ist ein Verkaufserlös elementarer Teil der Altersvorsorge.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.
 
. Weitere Nachrichten
Inkontinenz ist bei älteren und pflegebedürftigen Menschen ein häufiges Problem. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich der Umgang damit jedoch erheblich erleichtern. Ein neuer Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege gibt Praxistipps für pflegende Angehörige.
Wer täglich weniger als sechs Stunden schläft oder öfter in der Nacht aufwacht, hat ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose und ein metabolisches Syndrom. Das stellten Forscher in einer Studie mit fast 4.000 Teilnehmern fest.
Es ist dreidimensional und schlägt wie ein richtiges Herz: Forschern ist es gelungen, aus Hautzellen menschliches Herzmuskelgewebe der Vorhöfe zu züchten. An dem Herzmuskel sollen künftig Medikamente gegen Vorhofflimmern getestet werden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.