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19.05.2019

„Ärzte verordnen oft zu früh Insulin”

Nach Einschätzung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft wird der Diabetes-Typ 2 häufig zu früh mit dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin therapiert – mit negativen Folgen für die Patienten. Dabei gibt es zunächst wenigstens drei Behandlungsalternativen.
Straßenschild mit Ausrufezeichen, darunter Extraschild "Diabetes" vor Himmel mit dunklen Wolken

Vorsicht ja, Voreile nein: Der Diabetes vom Typ 2 kann oft durch einen konsequenten gesunden Lebensstil in Schach gehalten werden – ohne Insulinpräparate.

6,7 Millionen Menschen in Deutschland sind aktuell an Diabetes mellitus erkrankt, die allermeisten davon, rund 95 Prozent, am sogenannten Typ 2 – früher auch Altersdiabetes genannt. Diese Zahlen nennt der „Deutsche Gesundheitsbericht Diabetes 2018“. Während beim Typ 1 die Zellen für Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse durch eine Autoimmunkrankheit zerstört werden (genetisch oder durch Umwelteinflüsse bedingt), wird der Typ 2 als Zivilisationskrankheit beschrieben, die mit ungesunder Ernährung und Übergewicht zu tun hat: Insulin wird hier vom Körper zwar weiter produziert – wegen zuckerreicher Ernährung zunächst sogar im Übermaß. Irgendwann aber sind die Körperzellen nicht mehr empfänglich für die Wirkung des Hormons („Insulinresistenz“). Nach längerer Zeit kann außerdem auch die gestresste Bauchspeicheldrüse in der Insulin-Produktion nachlassen.

Insulin-Gabe bei Typ-2-Diabetes: Viele Patienten nehmen zu

Trotz des Unterschieds der beiden Krankheitsvarianten: „Bei Typ-2-Diabetikern wird in Deutschland zu früh mit Insulin therapiert“, kritisieren jetzt Experten der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). Der verfrühte Einsatz von Insulin könne negative Folgen für die Patienten haben, warnte DDG-Sprecher Baptist Gallwitz im MDR-Fernsehmagazin „Hauptsache Gesund“. Der Endokrinologe von der Universität Tübingen sagte wörtlich: „Bei vielen Patienten wird durch die Insulintherapie die Gefahr durch Unterzuckerungen erhöht und die Patienten nehmen an Gewicht zu."

 

Diabetes-Typ 2: Drei Alternativen zur frühen Insulintherapie

Dass Insulin bei Diabetes vom Typ 2 verordnet wird, ist dabei nicht ohne Grund. Laut DDG beruht der frühe Einsatz von Insulin auf der bis vor kurzem noch gültigen Nationalen Versorgungsleitlinie zur Therapie des Typ-2-Diabetes. Die Diabetes-Gesellschaft trug diese Behandlungsstrategie aber nicht mit. Sie entwickelte stattdessen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) einen eigenen Plan für einen Therapie-Ablauf.

Zu einer Insulin-Therapie gebe es verschiedene Alternativen, heißt es bei der DDG. Dazu zählt allen voran ein gesunder Lebensstil. Ernährungswissenschaftler gehen davon aus, dass beispielsweise ein ausgewogenes Frühstück Übergewicht und Diabetes entgegenwirken kann. Zweiter Baustein ist das Medikament „Metformin", das die gesteigerte Glukoseproduktion der Leber hemmt. Hinzu kommen laut DDG noch zwei Wirkstoffe, die relativ neu auf dem Markt sind. Erst wenn diese Ansätze erfolgslos blieben, empfiehlt die DDG, sollte zu Insulin gegriffen werden.

Diabetes-Typ 2: Zwei Millionen wissen nichts von ihrer Erkrankung

Laut dem „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2018“ der Fachgesellschaften sind 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt. Schätzungsweise zwei Millionen davon haben die Krankheit, aber wissen es noch nicht. Der Diabetes-Typ 2 wurde und wird in der Umgangssprache oft „Altersdiabetes“ genannt, denn er tritt meist erst im Erwachsenenalter auf. Allerdings verschiebe sich das Alter der Erstdiagnose mehr und mehr hin zu jüngeren Jahrgängen, heißt es etwa beim Diabetes-Informationsdienst München.

Unbehandelter Diabetes: Infarktrisiko steigt um Faktor 2 bis 3

Schlecht oder gar unbehandelt hat Diabetes dem Gesundheitsbericht zufolge „dramatische Folgen“: So erhöht sich die Komplikationsrate für Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall auf das Zwei- bis Dreifache. Jährlich werden als Folge des Diabetes etwa 40.000 Beine, Füße oder Zehen amputiert, rund 2.000 Menschen erblinden. Diabetes ist die häufigste Ursache dafür, dass Menschen regelmäßig zur Dialyse müssen.

Weitere Informationen:

Foto: Fotolia.com/bluedesign

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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