. Ethik in der Medizin

Ärzte über Mensch-Schwein-Chimären entsetzt

Amerikanische Forscher haben kürzlich zum ersten Mal Mensch-Schwein-Mischwesen, sogenannte Chimären, hergestellt. Nicht nur Tierschützer sind beunruhigt. Der Verein „Ärzte für das Leben“ hat große ethische Bedenken.
Schweine könnten künftig als Ersatzteillager für menschliche Organe dienen. Viele halten das ethisch nicht für vertretbar

Schweine könnten künftig als Ersatzteillager für menschliche Organe dienen. Viele halten das ethisch nicht für vertretbar

Eine neue Bauchspeicheldrüse vom Schwein? Prof. Pablo Ross von der Universität von Kalifornien in Berkeley arbeitet daran. Kürzlich ist es dem Forscher gelungen, menschliche Stammzellen in Schweineembryonen zu bringen, bei denen zuvor die Gene für die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse mittels der CRISPR/cas9-Technik ausgeschaltet worden waren. Hierdurch sind sogenannte Mensch-Schwein-Chimären entstanden. Der Versuch wurde vier Wochen später abgebrochen, um das Gewebe zu untersuchen. Mittelfristig sollen diese Mischwesen als Ersatzteillager für menschliche Organe dienen. Die Bauchspeicheldrüse etwa zur Behandlung von Typ 1 Diabetes mellitus soll den Anfang machen.

Ethische Bedenken

Doch ist das alles ethisch noch vertretbar? Der Verein „Ärzte für das Leben“ hat jedenfalls große ethische Bedenken. „Diese Forschung stellt das Wesen des Menschen und somit den Urgrund der Menschenwürde grundsätzlich in Frage“, sagte Prof. Paul Cullen vom Verein Ärzte für das Leben e.V. Er fordert ein umfassendes Verbot solcher Versuche „bis ihre Implikationen geklärt und auf der Ebene der gesamten Gesellschaft zur Diskussion gestellt worden sind.“ Der deutsche Philosoph Robert Spaemann bezeichnete unterdessen die Herstellung von Mensch-Tier-Mischwesen als „Verbrechen“ und als, „absolute Horrorvision… die schlimmste vielleicht, die je ausgedacht wurde“. Dem sei nichts hinzuzufügen, meinte Cullen.

Im vergangenen Jahr hat es die US amerikanische Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) abgelehnt, Chimärenforschung zu unterstützen - wegen ethischer Bedenken. Ein Argument lautete, dass sich menschliche Stammzellen auch an der Entwicklung des zentralen Nervensystems des Mischwesens beteiligen könnten. Im extremsten Fall könnten so Schweine mit vermenschlichtem Gehirn entstehen. US-Forscher Ross will nicht ausschließen, hält das Risiko aber für gering.

Quelle für neues Tierleid

Bereits im Oktober 2011 fragte der Deutschen Ethikrat „ob schon die Konstruktion eines menschlichen Mischwesens … [nicht] eine vollständige Instrumentalisierung“ des Menschen bedeute. Laut Bundesverfassungsgericht ist die Menschenwürde „nicht nur die individuelle Würde der jeweiligen Person, sondern die Würde des Menschen als Gattungswesen.“

Tierschützer kritisieren diese Art von Forschung vor allem wegen der Tierquälerei. „Ich bin beunruhigt, dass jetzt eine neue Tür für weiteres Tierleid aufgestoßen wird“, sagte etwa Peter Stevenson von Compassion in World Farming dem Sender BBC. „Lasst uns lieber mehr tun, damit mehr Menschen Organe spenden.“

© dusanpetkovic1 - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik

Weitere Nachrichten zum Thema Tiere

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.