. Ernährungstrends

Ärzte sehen Superfoods skeptisch

Superfoods wie Chia-Samen sollen gesund und schön machen. Doch ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Lebensmitteln sind noch nicht erwiesen. Klar ist bislang nur, dass sie das Portemonnaie erleichtern.
Chia-Samen ein Superfood? Heimischer Leinsamen tut es auch, meinen Ernährungsexperten

Chia-Samen ein Superfood? Heimischer Leinsamen tut es auch, meinen Ernährungsexperten

Superfoods sind ein neuer Ernährungstrend. Dabei handelt es sich um einzelne Lebensmittel wie Samen, Beeren und Nüsse, die meist aus exotischen Regionen stammen. Chia-Samen und Goji-Beeren sind Beispiele. Sie werden zu hohen Preisen in Bioläden, Reformhäusern und inzwischen auch in gut sortierten Supermärkten angeboten. Chia-Samen sollen etwa über reichlich Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren sowie über wertvolle Proteine und Ballaststoffe verfügen. Zudem wird dem schwarzen Samen ein hoher Anteil an Vitamin B1, B3 und E sowie Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kalium, Zink und Antioxidantien zugeschrieben.

Leinsamen genauso wertvoll wie Chia-Samen

Doch lohnt sich der Kauf wirklich? Mediziner sind da eher skeptisch. „Diesen Produkten wird eine besonders hohe gesundheitsfördernde Wirkung zugesprochen – häufig werden sie jedoch einfach zu höheren Preisen verkauft als vergleichbare herkömmliche Lebensmittel“, sagt Prof. Hans Hauner, Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin am Klinikum rechts der Isar der TU München. Das ließe sich etwa am Beispiel von Chia-Samen zeigen, die keine Vorteile gegenüber den einheimischen Leinsamen hätten, jedoch aber zu 5- bis 10-fach höheren Preisen verkauft würden. „Bei den Superfoods fehlen wissenschaftliche Studien meistens völlig oder sie sind wegen methodischer Mängel wertlos“, kritisiert der Ernährungsexperte.

Auch der hohe Anteil an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen, muss hinterfragt werden. Die Angaben beziehen sich nämlich immer auf die 100 Gramm. Wer einen Esslöffel davon ins Müsli streut, erreicht diese Menge aber nicht und fährt mit Spinat und heimischen Kohlsorten sogar besser, weil man mehr davon isst. Wundermittel sind Superfoods also nicht.

Veganer sollten auf Vitamin B12 und Jod-Zufuhr achten

Zur veganen Ernährung sagt Hauner: Kritisch sei vor allem die Versorgung mit Vitamin B12 und Jod zu sehen. Wer er auf alle tierischen Produkte inklusive Milch und Milchgetränken sowie auf Eier verzichte, müsse gute Kenntnisse haben, um seinen Nährstoffbedarf zu sichern.

© Maik Dörfert - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Ernährung

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Im Vorfeld des World Health Summit sprechen Christian Drosten und Detlev Ganten über das Coronavirus im Speziellen und die globale Ausbreitung im Allgemeinen. Für den Virologen steht fest: Deutschland hat nichts besser gemacht als andere Länder. Und: Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen.
Der Verzehr roher Karotten löst bei vielen Menschen Allergien aus. Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung können aber auch gekochte Karotten diesen Effekt haben. Das ergibt sich aus einer Studie der Universität Bayreuth. Personen, die hier sensibel reagieren, raten die Wissenschaftler deshalb dazu, auf den Verzehr von Karotten ganz grundsätzlich zu verzichten.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.