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Ärzte glauben nicht an die Wirkung von Terminservicestellen

Die neuen Terminservicestellen sollen dafür sorgen, dass Gesetzlich Versicherte nicht länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin warten müssen. Laut einer Umfrage glauben aber die Ärzte selbst nicht daran, dass dieses Instrument Wirkung zeigen wird.

Schneller zum Arzt? Dass die Servicestellen das schaffen, glauben nur wenige!

Aus einer Ärzteumfrage, für die der Hamburger Ärztenachrichtendienstes (änd) insgesamt 10.000 Ärzte angeschrieben hatte, geht hervor, dass die niedergelassenen Ärzte in Deutschland nicht an die Wirkung der Servicestellen glauben: „Für Kassenpatienten wird sich dadurch kaum etwas ändern. Auch werden die meisten Praxen keine zusätzlichen Termine für die Servicestellen anbieten können“, lautet das Fazit der Umfrage.

Terminservicestellen machen keinen Sinn – sagen 89 % der befragten Ärzte

„Im Gesamturteil zeigen die Daumen der meisten Ärzte eindeutig nach unten: 89 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass die Regierung die Finger von der neuen Terminregelung hätte lassen sollen - sie mache keinen Sinn. Nur sechs Prozent der Ärzte sehen in den bei den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) bis zum Jahresende einzurichtenden Terminservicestellen eine positive Maßnahme im Sinne einer bessern Patientenversorgung“, heißt es in einer Pressemitteilung des änd.

Auf die Frage, ob die Servicestellen den gesetzlich Versicherten einen schnelleren Zugang zur ambulanten fachärztlichen Behandlung ermöglichen können, zeigen sich laut Umfrage sowohl Haus- also auch Fachärzte skeptisch. 82 Prozent der Hausärzte gaben an, dass es ihrer Meinung nach keine oder kaum eine Änderung geben wird, 87 Prozent der Fachärzte denken ebenso. Nur neun Prozent (Hausärzte) beziehungsweise sechs Prozent (Fachärzte) der Umfrageteilnehmer prophezeien kürzere Wartezeiten auf einen Facharzttermin.

Ärzte selbst meinen, sie könnten keine weiteren Termin-Kapazitäten anbieten

Zusätzliche Termin-Kapazitäten für die neuen Servicestellen wollen oder können laut änd nur drei Prozent der Fachärzte anbieten. Immerhin 55 Prozent erklärten jedoch, dass sie den über den neuen Weg vermittelten Patienten normale freiwerdende Termine in ihrer Praxis anbieten werden. 31 Prozent betonten dagegen, dass sie für diese Patienten überhaupt keine Kapazitäten mehr haben und 8 Prozent wollen die Servicestellen komplett boykottieren - selbst wenn das Wartezimmer leer ist.

Zweifel haben die Ärzte offenbar an der Kompetenz der Terminservicestellen selbst, die zu Beginn des nächsten Jahres in jedem Bundesland ihre Arbeit aufnehmen sollen: Dem Gesetz zufolge gibt es Ausnahmefälle, bei denen die Terminservicestelle die Vier-Wochen-Frist für einen Facharztbesuch nicht einhalten müssen. „Doch können die Mitarbeiter eines Callcenters die Anrufer danach sortieren“, fragte der änd: Nein, sind 80 Prozent der Ärzte überzeugt - dies könne kein Mitarbeiter einer Servicestelle am Telefon leisten. Lediglich zwölf Prozent halten das für möglich, wenn die Mitarbeiter entsprechende Richtlinien an die Hand bekommen.

Dass Termine nicht oder nicht rechtzeitig von Patienten abgesagt werden, erlebt mehr als die Hälfte der Ärzte fast täglich

Dabei würden mehr Termine für wirkliche Notfälle zur Verfügung stehen, würden andere Patienten Termine, die sie nicht wahrnehmen können, rechtzeitig absagen: Dass diese nicht oder nicht rechtzeitig abgesagt werden, erleben 86 Prozent der Umfrageteilnehmer mindestens einmal wöchentlich - mehr als die Hälfte davon sogar täglich. Die Frage, ob es für Patienten finanzielle Folgen haben sollte, wenn ein nicht wahrgenommener Termin gar nicht oder zu spät abgesagt wird, beantworteten deshalb 71 Prozent mit "Ja, das wäre angebracht". 19 Prozent halten das dagegen für Unsinn.

Laut änd wurden für die vom 05. bis zum 10. August 2015 laufende Umfrage 10.000 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Mitglieder des Ärztenetzwerks änd per Mail angeschrieben. Es beteiligten sich 1.072 niedergelassene Ärzte (219 Hausärzte und 853 Fachärzte) an der Online-Befragung.

Foto: Fotolia - Robert Kneschke

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik

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