. Wissenschaftliches Institut der AOK

Ärzte bieten immer mehr IGeL an

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) scheinen immer beliebter zu werden – zumindest bei den Ärzten. Das zeigt eine Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)

Noch ein Ultraschall? Immer öfter bekommen Patienten IGeL angeboten.

Laut einer repräsentativen WIdO-Umfrage hat  jeder dritte gesetzlich Versicherte innerhalb von zwölf Monaten ein entsprechendes Angebot erhalten. Individuelle Gesundheitsleistungen müssen die Versicherten selbst bezahlen. Sie werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Laut WIdO bieten Ärzte immer öfter IGeL an. So sei die IGeL-Quote erneut deutlich gestiegen: von 29,9 Prozent im Jahr 2012 auf mittlerweile 33,3 Prozent. "Damit haben rund 20 Millionen GKV-Versicherte im vergangenen Jahr Erfahrung mit privaten Zusatzleistungen gemacht. Diese Expansion des IGeL-Marktes hat sich vor allem beim Angebot für Frauen vollzogen", sagte WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber bei der Vorstellung des WIdO-Monitors.  IGeL würden Frauen wesentlich häufiger angeboten als Männern (41,8 Prozent zu 23,2 Prozent). 

Jedem Dritten wird einmal in 12 Monaten eine Individuelle Gesundheitsleistung angeboten

Der WIdOmonitor basiert nach Angaben des Instituts auf einer bundesweit repräsentativen Erhebung unter Personen ab 18 Jahren, die gesetzlich krankenversichert sind. Wichtigstes Ergebnis: „Der Anteil der Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung, denen IGeL von niedergelassenen Ärzten (ohne Zahnarzt) angeboten werden, hat sich kontinuierlich von 8,9 Prozent im Jahr 2001 auf 33,3 Prozent im Jahr 2015 erhöht“, schreibt das WIdO in einer Pressemitteilung. Dabei gehe die Initiative in der Mehrzahl der Fälle von den Ärzten aus (72,6  Prozent). In drei von vier Fällen (72,2 Prozent) wurde laut WIdO die angebotene Leistung auch erbracht. Vor allem Gynäkologen, Augenärzte, Orthopäden, Urologen und Hautärzte erzielten mit diesen Leistungen zusätzliche Einnahmen.

IGeL brachten den Ärzten 2014 hochgerechnet rund eine Milliarde Euro mehr an Einnahmen

zusätzliche Die Kosten für eine angebotene IGeL-Leistung belaufen sich im Durchschnitt auf 65 Euro. Allerdings gibt es je nach Art der angebotenen Leistung große Preisunterschiede. Während die Hälfte der Leistungen maximal 35 Euro kosten, werden für manche Leistungen hohe dreistellige und sogar vierstellige Beträge genannt. Hochgerechnet  haben die niedergelassenen Ärzte (ohne Zahnarzt) mit IGeL 2014 zusätzliche Einnahmen in Höhe von rund einer Milliarde Euro erzielt.

IGeL werden überproportional einkommensstarken und gebildeten Versicherten angeboten. Dagegen ist kein erhöhter Einsatz bei Menschen im höheren Alter oder mit chronischen Erkrankungen zu beobachten. "Ganz abgesehen von seinem medizinischen Nutzen ist der IGeL-Selbstzahlermarkt kaum dazu geeignet, die Gesundheitsversorgung stärker am tatsächlichen Versorgungsbedarf der Patienten auszurichten", sagt Klauber.

Foto: Fotolia - grki

Autor: Cornelia Wanke

Weitere Nachrichten zum Thema Prävention

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Verletzungen von Nerven im Zentralen Nervensystem (ZNS) führen oft zu irreparablen Schäden, weil sich Nervenzellen hier nur schwer regenieren können. Nun haben Forscher untersucht, mit welchen Wirkstoffen die Regenerationfähigkeit der Nervenzellen im ZNS angeregt werden kann.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.