. Studie

Aerosole: Wie gefährlich ist der Restaurant-Besuch?

Geschlossene Räume wie beispielsweise in Restaurants könnten für die Übertragung von SARS-CoV-2 gefährlicher sein als bislang angenommen. Denn Forscher sehen vor allem in Aerologen, winzig kleinen Schwebeteilchen in der Luft, eine hohe Ansteckungsgefahr. Daran würde auch Abstandhalten nicht viel ändern.
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Sprechen und Lachen im Restaurant: Ist das gefährlicher als wir denken?

Die Vermutung besteht schon länger, bestätigt wurde sie noch nicht: Das Coronavirus SARS-CoV-2 soll sich nicht nur durch Tröpfcheninfektion, sondern auch durch sogenannte Aerosole übertragen. Besondere Brisanz könnte das gerade in Anbetracht der allmählichen Öffnung der Gastronomie haben. Denn Aerosole halten sich länger in der Luft und verbreiten sich weiter als andere Tröpfchen – ganz besonders in geschlossenen Räumen. Dann würden auch die 1,5 bis zwei Meter Abstand nicht ausreichen, um Menschen zu schützen. US-Forscher glauben nun, genau das bewiesen zu werden. Ihrer Meinung nach stecken sich mehr Menschen durch die winzigen Schwebeteilchen an als bislang angenommen.

Beim Singen 52 Menschen angesteckt

Dass die Abstandsregeln nicht unbedingt ausreichen, hatte bereits Anfang März ein Ereignis in der Nähe von Seattle gezeigt. Hier hatten sich 61 Chormitglieder zum Singen getroffen. Und obwohl der Abstand eingehalten wurde und Desinfektionsmittel bereitstanden, steckte ein einziger Sänger 52 andere an. Zwei Menschen starben.

Experten gehen davon aus, dass bei solchen „Superspreader“-Ereignissen, bei denen überproportional viele Menschen mit SARS-CoV-2 angesteckt werden, der Abstand keine Rolle mehr spielt. Offenbar gibt es hier einen anderen Übertragungsweg als die sonst häufig genannte Tröpfcheninfektion, vor der 1,5 Meter Abstand in der Regel schützen. Hinweise darauf, dass bei längerer Verweildauer vor allem Aerosole eine Ansteckung begünstigen, hatten schon einige kleinere Studien gebracht. US-amerikanische Forscher glauben nun, genau das bestätigt zu haben.

 

Aerosole bleiben länger in der Luft als Tröpfchen

Bei Aerosolen handelt es sich um wenige Nanometer große Schwebeteilchen. Diese bleiben noch sehr lange in der Luft, während größere Tröpfchen aufgrund ihres Gewichts rund 1,5 Meter nach der Ausscheidung zu Boden fallen.

Forscher vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK) wollten nun herausfinden, wie groß die Ansteckungsgefahr durch virenbelastete Aerosole ist. Dafür baten sie Testpersonen, in einem geschlossenen Raum 25 Sekunden lang laut zu sprechen. Die Ergebnisse der Studie wurden in „PNAS“, dem Fachmagazin der US-amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht.

Die Messungen ergaben, dass jeder Sprecher in einer Minute mehr als tausend virusbelastete Tröpfchen produziert. Diese verbleiben etwa 12 Minuten lang in der Luft, wenn sich die Sprecher in geschlossenen Räumen befinden. Für die US-Forscher ist das ein Beweis, dass nicht nur größere Tröpfchen, wie sie vor allem beim Husten oder Niesen entstehen, Viren wie SARS-CoV-2 übertragen können, sondern auch kleine Tröpfchen, die beim ganz normalen Sprechen produziert werden.

Drosten warnt vor Treffen in geschlossenen Räumen

Diese Teilchen seien vor allem in geschlossenen, kleinen Räumen problematisch. Abstandhalten helfe dabei kaum, so die Forscher. Ähnlich sieht es der deutsche Virologe Christian Drosten. Er glaubt, dass die Übertragung des Coronavirus über die Luft unterschätzt wird. Während er Händewaschen und Desinfizieren für weit weniger wichtig zum Schutz vor COVID-19 hält, rät er dazu, sich nur unter freiem Himmel zu treffen und nicht in geschlossenen Räumen.

Foto: Adobe.stock / StockRocket

Autor: anvo
Hauptkategorien: Corona , Medizin
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