Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Ältere Patienten: Wegen Nebenwirkungen ins Krankenhaus?

Wenn Senioren bestimmte Medikamente einnehmen, die als nicht altersgerecht gelten, dann müssen sie öfter ins Krankenhaus. Das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt ist unter diesen Umständen um 38 Prozent erhöht, wie eine neue Studie zeigt.
Für Senioren gilt: Vorsicht vor Nebenwirkungen bei Arzneiverordnungen Arzneimittel sind sicherer

Altersgerechte Arzneimittel sind sicherer

Seit 2010 sind Medikamente, die als nicht altersgerecht gelten, in Deutschland auf der sogenannten Priscus-Liste zusammengefasst. Die Liste umfasst Wirkstoffe und Arzneimittelklassen mit einem erhöhten Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei älteren Menschen. Hintergrund ist, dass ein alternder Organismus anders auf Medikamente reagiert, als ein junger. Das kann dazu führen, dass die Mittel bei älteren Menschen anders, stärker oder schwächer wirken als bei jüngeren, und dass Nebenwirkungen auftreten. Vor allem, wenn ältere Menschen mehrere Medikamente einnehmen müssen, steigt das Risiko von Wechselwirkungen.

Führen Benzodiazepine zu vermehrten Stürzen?

Die meisten Arzneimittel werden aber vor der Zulassung nicht an älteren Menschen getestet. Die Liste umfasst daher die Arzneimittel, bei denen Risiken für Senioren bekannt geworden sind. Sie wurde von vielen Experten gemeinsam erarbeitet und wird laufend aktualisiert. Als riskante Arzneimittelklassen gelten etwa nichtsteroidale Antiphlogistika und -rheumatika (NSAID), trizyklische Antidepressiva oder Benzodiazepine. So haben die Experten bei älteren Menschen, die Benzodiazepine einnehmen, vermehrt Stürze und dadurch bedingte Knochenbrüche beobachtet. Auch psychiatrische Reaktionen und geistige Beeinträchtigungen stellten sie fest.

Dennoch gibt es immer wieder Zweifel an der Priscus-Liste. Eine neue Studie kann diese Kritik nun möglicherweise ausräumen. Dafür wurden zwei Patientengruppen miteinander verglichen. In beiden Gruppen hatten die Patienten jeweils eine alterstypische Basismedikation erhalten. „Die erste Gruppe, die Priscus-Medikamente zu sich nahmen, hatte ein um rund 38 Prozent (37,8%) erhöhtes Risiko, sich im Krankenhaus behandeln lassen zu müssen. Die zweite Gruppe, die zum Vergleich herangezogen wurde, bestand aus Patienten, denen für Ältere besser verträgliche Alternativen verschrieben wurden“, sagt Studienautor Dr. Heinz Endres vom AQUA-Institut.

 

Studie erfasste knapp 400.000 Senioren

Für die Studie werteten die Forscher die anonymisierten Abrechnungsdaten von mehr als 392.000 Versicherten der AOK Baden-Württemberg aus den Jahren 2009 und 2010 aus, die zum Zeitpunkt der Verordnung 65 Jahre oder älter waren. Untersucht wurden Krankenhauseinweisungen, die innerhalb eines halben Jahres nach dem erstmaligen Abholen eines Medikaments in der Apotheke auftraten.

„Auch wenn die Studie nicht umfassend alle Gründe für die Krankenhauseinweisungen untersuchen konnte und sie insofern eine Unschärfe beinhaltet, zeigen die Ergebnisse dennoch zumindest eine deutliche Tendenz auf, dass alterstypische Komplikationen bei Einnahme von Priscus-Medikamenten nicht zu vernachlässigen sind“, so Endres. Der Wissenschaftler rät den behandelnden Ärzten deshalb, die Empfehlungen der Priscus-Liste bei ihrer Therapieentscheidung zu berücksichtigen. Das trage zu einer verbesserten Arzneimittel- und Patientensicherheit bei.

Foto: grafikplusfoto - Fotolia

Foto: grafikplusfoto - Fotolia

Autor: Angela Mißlbeck
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arzneimitteltherapiesicherheit

Laut einer Studie haben Senioren, die in einem Pflegeheim eine Hüftfraktur erleiden, kurz davor häufiger Schlafmittel eingenommen als an anderen Tagen. Dies unterstützt die Vermutung, dass Schlafmittel Stürze begünstigen. Doch eindeutig sind die Ergebnisse der Analyse nicht.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Viele Eltern meinen es gut, wenn sie vor ihren Kindern über eine Demenz bei deren Großeltern nicht sprechen. Sie wollen sie nicht belasten. So schwer es für Kinder ist, diese Erkrankung zu verstehen – so sehr spüren sie, dass etwas nicht stimmt. Experten raten deshalb zu einer kindgerechten Offenheit.


Bewusst einmal etwas ganz anderes tun als im beruflichen Alltag, Dinge selber machen, mit den Händen arbeiten – selbstbestimmt, kreativ, meditativ: Heimwerken kann sich positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken und sogar eine therapeutische Wirkung entfalten. Gut für Menschen, die sich gesund halten wollen, auf einen Therapieplatz warten – oder eine laufende Therapie unterstützen möchten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin