. Demografiekongress

Ältere Menschen unverzichtbar

Von technischen Hilfsmitteln über den präventiven Hausbesuch bis hin zum Ehrenamt: Auf dem Demografiekongress in Berlin wurden Lösungen für eine alternde Gesellschaft vorgestellt. Bei einigen ist noch Luft nach oben.
Trotz aller Technik wird die menschliche Zuwendung weiter im Mittelpunkt stehen

Trotz aller Technik wird die menschliche Zuwendung weiter im Mittelpunkt stehen

Wenn kein Wunder passiert, werden bald Abertausende Pflegekräfte in Deutschland fehlen. Weil dieses Schicksal unausweichlich scheint, sucht man mit vereinten Kräften nun nach anderen Lösungen. Vielleicht braucht ja nicht jeder Pflegebedürftige eine examinierte Pflegefachkraft?Vielleicht tut es ja auch ein ehrenamtlicher Mitarbeiter einer Hilfsorganisation oder ein technisches Hilfsmittel, das sich in gewisser Weise auch um den Menschen kümmert? Oder noch besser: Vielleicht lässt sich die Pflegebedürftigkeit ja hinauszögern, was obendrein noch küstengünstiger ist. Allerdings geht es nicht nur um Pflegefälle. Vielen älteren Menschen fehlt es an Ansprache, Mobilität und das Gefühl, in eine Gemeinschaft integriert zu sein. Auch das gilt es zu lösen.

Ehrenamt ist im Kommen

Auf dem Demografiekongress am 4. und 5. September in Berlin wurden die unterschiedlichsten Modelle für die Gestaltung einer alternden Gesellschaft diskutiert. Überzeugend kamen etwa die Johanniter und Malteser herüber. Die beiden Hilfsorganisationen tun eine Menge für ältere Menschen, insbesondere für Menschen mit Demenz und immer öfter vernetzen sie sich mit Wohnungsbaugesellschaften – um in den Quartieren präsent zu sein. Rund ein Drittel der Mitarbeiter beider Organisationen arbeiten ehrenamtlich. „Vielfach sind es die älteren Menschen selbst, die sich für andere engagieren und dabei aktiv und fit bleiben“, betonte Silvana Radicione von den Johannitern auf dem Demografiekongress in Berlin. Johanniter und Malteser bilden zum Beispiel ehrenamtliche Demenzbegleiter aus, die Hausbesuche machen und somit die pflegenden Angehörigen entlasten. „Und warum sollte die Ausbildung nicht auch eine 70-Jährige machen?“, meinte Radicione.

Beide Organisationen haben bereits in großem Umfang Hausnotrufsysteme etabliert, den allein bei den Maltesern knapp 80.000 und bei den Johannitern rund 100.000 Menschen in Deutschland nutzen. „Insbesondere allein lebende Senioren fühlen sich damit deutlich sicherer, weil sie im Notfall nur einen Knopf drücken müssen, den sie am Handgelenk oder in Form eines Medaillons um den Hals tragen können“, sagte Radicione in Berlin.

 

Bei der Technik hat sich bislang nur der Hausnotruf durchgesetzt

Doch der Hausnotruf ist bislang das einzige technische Hilfsmittel, das sich in Deutschland in großem Stil etablieren konnte. Ein Grund: Die Pflegekassen beteiligen sich seit einigen Jahren an den Kosten. Bei anderen Hilfsmitteln ist das bislang nicht der Fall. Dabei gibt es eine ganze Menge so genannter AAL-Systeme: Von Sensoren, die Vitaldaten messen oder automatisch den Herd abschalten bis hin zu Sensoren, die Schlaf- und Bewegungsaktivitäten einer allein lebenden Person erfassen. „Technische Hilfsmittel dürfen nicht stigmatisieren, viele tun es aber doch und finden deshalb keine Akzeptanz bei den Versicherten“, meinte etwa Annett Saal von der DAK. Außerdem betonte die Kassenexpertin, bei vielen Hilfsmitteln sei der Nutzen nicht klar definiert und es fehle den Kranken- und Pflegekassen ein klarer Kosten-Nutzen-Nachweis. Trotzdem prophezeite Bernd Falk von den Maltesern technischen Assistenzsystemen eine rosige Zukunft. „Wir werden bald einen Boom der Seniorentechnik erleben, wenn alle Endgeräte über eine zentrale Software verbunden sind.“

Präventiver Hausbesuch steht am Scheideweg

Ähnlich wie die meisten AAL-Systeme konnte auch der präventive Hausbesuch bislang nicht in der Fläche überzeugen. Wie Dr. Bernd Deckenbach vom IGES Institut berichtete, habe keine der Studien die Wirksamkeit dieser Präventivmaßnahme belegt. Das IGES Institut hatte drei Modellprojekte evaluiert: „Gesund älter werden“, „mobil“ und „allein zu Hause“ und dabei festgestellt, dass sich die Modelle aufgrund ihrer heterogenen Struktur, Zielgruppe und Maßnahmen kaum miteinander vergleichen lassen. Aber auch bei Einzelbetrachtungen habe keine Studie wirklich überzeugt. Der präventive Hausbesuch steht am Scheideweg“, sagte Deckenbach, „ein Wirksamkeitsnachweis muss erst noch erbracht werden.“

Mehr Infos zum Demografiekongress unter www.der-demografiekongress.de

Foto: Johanniter

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