Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Aducanumab unwirksam bei Alzheimer - Studien abgebrochen

Aducanumab ist ein vielversprechender Antikörper gegen Alzheimer. Doch nun wurden zwei Phase III Studien abgebrochen. Ein weiterer Rückschlag für die Alzheimerforschung.
Neues Alzheimer Medikament

Aducanumab sollte den kognitiven Abbau stoppen. Doch das neue Alzheimer-Medikament erreichte die Studienziele nicht

Nur selten schaffen es neue Substanzen gegen Alzheimer in die Studienphase III. Aducanumab hatte es geschafft – doch nun wurden gleich beide klinischen Phase III Studien mit dem monoklonalen Antikörper abgebrochen. Hersteller Biogen entschied sich zu diesem Schritt, da die Studien ENGAGE und EMERGE ihren primären Endpunkt höchstwahrscheinlich nicht erreichen werden, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

 

 

2023 wäre das neue Alzheimer-Medikament auf den Markt gekommen

„Für die Alzheimer-Forschung ist das ein herber Rückschlag, da es sich um ein bis dato vielversprechendes Medikament handelt, das bei positivem Verlauf bereits 2023 auf dem Markt verfügbar gewesen wäre“, kommentiert Prof. Richard Dodel, Neurologe an der Universität Duisburg-Essen. Allerdings sei es keine Seltenheit, dass Phase-III-Studien negative Ergebnisse bringen, obwohl die Vorstudien vielversprechend gewesen seien. „Das zeigt, wie wichtig es ist, vor der Zulassung alle Phasen der klinischen Prüfung sorgfältig zu durchlaufen“, so Dodel.

Die beiden Studien ENGAGE und EMERGE sollten die Sicherheit und Wirksamkeit des monoklonalen Antikörpers bei Patienten mit Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium untersuchen. Primärer Endpunkt bei der placebokontrollierten Studien war die Wirksamkeit der monatlichen Gabe von Aducanumab im Hinblick auf die Verlangsamung des kognitiven und funktionellen Abbaus, erhoben anhand eines speziellen Scores, dem „Clinical Dementia Rating-Sum of Boxes“ (CDR-SB)-Score.

Frühere Ergebnisse waren vielversprechend

Dieses Ziel konnte nach einer Zwischenauswertung offenbar nicht erreicht werden. Dabei galt Aducanumab als äußerst vielversprechend. Der Antikörper, der lösliche Oligomere und Ablagerungen von fibrillärem Aβ bindet, sollte nicht nur – wie viele andere Wirkstoffe, die sich in der klinischen Prüfung befinden – Alzheimer verhindern, sondern das Fortschreiten der neurokognitiven Defizite erfolgreich verlangsamen. Die Ergebnisse der PRIME-Studie, einer Phase-II-Erhebung, die 2016 im renommierten Journal `Nature´ publiziert worden war, hatten dies vermuten lassen. Wäre alles gut gelaufen, wäre Aducanumab mögliherweise schon in vier Jahren zugelassen worden. Doch an größeren Patientenpopulationen bewahrheitete sich diese Annahme nicht.

Nach Auskunft der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) werden derzeit drei Hypothesen für das Scheitern von Aducanumab diskutiert. Erstens: Möglicherweise war die Alzheimer-Erkrankung in der Studienpopulation bereits zu fortgeschritten und der Antikörper sei nur in früheren Stadien wirksam. Zweitens: Möglicherweise stimmt die Hypothese nicht, dass Alzheimer-Symptome tatsächlich durch die Amyloid-Ablagerungen, die alle Patienten aufweisen, ausgelöst werden, oder drittens, Aducanumab baut nicht die Hauptform von Amyloid ab und sei damit nur eine „smoking gun“.

Aus Scheitern lernen

„Die Offenlegung der Daten wird zeigen, welche der Hypothesen sich bestätigt und wir werden daraus lernen und diese Erkenntnisse für weitere Forschungsaktivitäten nutzen“, sagt DGN-Experte Dodel. Er sei zuversichtlich, dass „wir den Kampf gegen Alzheimer gewinnen werden.“

Derzeit befinden sich mehr als 30 Medikamente gegen Alzheimer in der Testung, mit ganz unterschiedlichen Therapietargets. Zuvor waren Dutzende bereits in klinischen Studien gescheitert. Zum Beispiel meldete 2016 das Pharmaunternehmen Eli Lilly, dass das Alzheimer-Medikament Solanezumab in einer Phase-III-Studie die erwünschten Ziele nicht erreichen konnte.

Foto: © Andrea Danti - Fotolia.com

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alzheimer , Demenz , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alzheimer

10.10.2019

Wer Fragen rund um das Thema Alzheimer hat, selbst betroffen ist oder einen erkrankten Angehörigen pflegt, kann sich an das Alzheimer-Telefon wenden. Die Berater unterstützen die Ratsuchenden beim Umgang mit der Erkrankung, konkreten Fragen zur Behandlung und der Suche nach Unterstützungsangeboten.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Vor der Covid-19-Impfung Schmerzmittel einzunehmen, um mögliche Nebenwirkungen zu vermeiden, ist nicht ratsam. Denn Ibuprofen, Aspirin oder Paracetamol könnten die Wirkung des Impfstoffs beeinflussen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln direkt nach der Impfung könnte die Immunantwort abschwächen.

Was viele sich lange wünschten, wurde unter dem Druck der Pandemie Wirklichkeit: Arbeiten im Homeoffice. Doch jetzt zeigt sich: Die neue Freiheit ist nicht immer auch gesund. Mehr als ein Drittel der Heimarbeiter klagt über Rückenschmerzen und andere Beschwerden. Auch der negative Stress wird mehr.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin