. Regulierung des Hungergefühls

Adipositas: Neuer Wirkstoff soll Sättigungsgefühl auslösen

Eine bestimmte genetische Mutation führt bei manchen Menschen zu einem verstärkten Hungergefühl. Häufige Folge: Übergewicht und Adipositas. Ein neuer Wirkstoff soll nun Patienten helfen, indem er das Sättigungsgefühl reguliert.
Adipositas, Übergewicht, Sättigungsgefühl, Charité

Bei manchen Menschen ist die Regulierung des Hunger- und Sättigungsgefühls gestört

Für Übergewicht und Adipositas gibt es unterschiedliche Gründe. Bei einigen Betroffenen führt eine Mutation in der genetischen Bauanleitung des Leptin-Rezeptors (LEPR) bereits in den ersten Lebensmonaten zu einem starken Hungergefühl. Die Folge ist eine ausgeprägte Fettleibigkeit bereits in der Kindheit. In der Regel gelingt es den Patienten nicht, durch vermehrte Bewegung und reduzierte Kalorienaufnahme, das Körpergewicht längerfristig zu stabilisieren. Darüber hinaus ziehen die Patienten häufig keinen Nutzen aus einer Adipositaschirurgie. Im Rahmen einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin Betroffene nun erfolgreich mit einem neuen Wirkstoff behandelt.

Peptid löst Sättigungssignal im Gehirn aus

Schon vor einigen Jahren konnte die Forschergruppe um Dr. Peter Kühnen vom Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie der Charité zeigen, was für eine zentrale Rolle der Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R) für den Energiehaushalt des Organismus und die Regulierung des Körpergewichts spielt: Im Gehirn führt normalerweise die Bindung des sogenannten „Sättigungshormons“ Leptin an den LEPR über mehrere Schritte zur Produktion des Melanozyten-stimulierendes Hormons (MSH). Die Bindung von MSH an MC4R löst dann das eigentliche Sättigungssignal in den Zellen aus. Ist der Rezeptor LEPR jedoch defekt, wird die Signalkaskade der Sättigung unterbrochen und ein ungestilltes Hungergefühl begünstigt das Entstehen einer Adipositas.

Das im Rahmen der jetzt im Journal Nature Medicine veröffentlichten Studie zur Behandlung eingesetzte Peptid bindet im Gehirn der Patienten an MC4R und löst das Sättigungssignal wieder aus. In Zusammenarbeit mit der Clinical Research Unit des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) konnte das Team eine deutliche Gewichtsreduktion der behandelten Patienten mit LEPR-Gendefekt beobachten.

Wirkstoff hat keine schweren Nebenwirkungen

„Wir haben außerdem untersucht, weshalb das eingesetzte Peptid so wirksam ist und im Vergleich zu anderen Präparaten mit einem ähnlichen Wirkprinzip zu keinen schweren Nebenwirkungen führte“, erläutert Kühnen. „Hier konnten wir zeigen, dass ein besonderer Signalweg des MC4R aktiviert wird, der eine wichtige und bisher unterschätzte Rolle spielt.“ Die Forscher wollen nun herausfinden, ob es weitere Patienten gibt, die von dem Wirkstoff profitieren können: „Denkbar ist, dass es Patientengruppen mit einer Funktionsstörung in diesem Signalweg gibt, die für eine derartige Therapie in Frage kommen.“

Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ernährung , Adipositas

Weitere Nachrichten zum Thema Adipositas

| Low-Carb, Low-Fat, Paleo, Weight Watchers – Immer wieder werden verschiedenste Diäten angepriesen, die endlich zum Gewichtsverlust führen sollen. Doch selbst wer zunächst abnimmt, entgeht nur selten dem gefürchteten Jo-Jo-Effekt. Der Internationale Anti-Diät-Tag will darauf aufmerksam machen, dass schnelle Diäten so gut wie nie den ersehnten Erfolg bringen.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
Viele Patienten mit starkem Übergewicht können ihren Alltag nur schwer bewältigen oder sogar ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Trotzdem finanzierten die Krankenkassen eine medizinisch begründete Therapie offenbar nach Belieben, kritisieren Selbsthilfeverbände. Der Bundestag soll das jetzt ändern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Das Chronische Fatigue Syndrom (CFS) bedeutet für viele Patienten meist einen weitgehenden Verlust ihres bisherigen Lebens. Dennoch gibt es bisher kaum wirksame Therapien und zu wenig Forschung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen über die Erkrankung und ihre Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.