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20.03.2019

Adipositas: Mehr Diagnostik statt vorschnell Diäten

Übergewichtige Menschen essen zu viel und bewegen sich zu wenig. Dieses Vorurteil haben auch Ärzte im Kopf. Dabei kann Adipositas auch andere Ursachen haben, zum Beispiel genetische Faktoren. Adipositasforscher mahnen nun eine adäquate Diagnostik an, bevor gleich Schlankheitskuren verordnet werden.
Krankheitsursachen Übergewicht

Übergewichtige werden zu selten gründlich untersucht. Dabei gibt es diverse Krankheitsursachen

Übergewicht ist ein weltweit wachsendes Problem. Die Schuldigen sind schnell ausgemacht: Adipöse Menschen stopfen zu viel Fastfood in sich hinein und machen keinen Sport. Das mag auf die Mehrheit der Übergewichtigen mehr oder weniger zutreffen. Doch ein ungesunder Lebensstil ist nicht immer Ursache für Fettleibigkeit, jedenfalls nicht die einzige.

Das stellen Forscher aus den Niederlanden und Kanada jetzt in der Studie „A comprehensive diagnostic approach to detect underlying causes of obesity in adults“ fest. Die Autoren führen eine ganze Reihe unterschiedlichster Krankheitsursachen auf, und kritisieren, dass viel zu oft an den Symptomen herumgedoktort werde, statt nach den zugrundeliegenden Ursachen zu suchen. „Wir fordern eine adäquate Diagnostik, gefolgt von einer individuellen Behandlung“, schreibt das Forscherteam um Dr. van der Valk von der Erasmus Universität Rottderdam  in „Obesity Reviews.“

Ärzte sollten Übergewichtige gründlicher untersuchen

Erwachsene Patienten, die sich wegen Gewichtszunahme oder Fettleibigkeit an einen Arzt wendeten, sollten zunächst klinisch auf Grunderkrankungen wie monogenetische oder syndromale Fettleibigkeit, Hypothyreose, (zyklisches) Cushing-Syndrom, PCOS-Syndrom (PCOS), Hypogonadismus, Wachstumshormonmangel und hypothalamische Fettleibigkeit untersucht werden. Die wichtigsten Alarmsymptome für eine genetische Fettleibigkeit seien früh einsetzende Adipositas, dysmorphe Merkmale / angeborene Fehlbildungen mit oder ohne intellektuelles Defizit, Verhaltensprobleme, Hyperphagie und / oder auffällige Familienanamnese. Wichtig sei auch, dass häufig auftretende Faktoren zur Gewichtszunahme untersucht werden, etwa Raucherentwöhnung, Alkoholkonsum, eingenommene Medikamente. Weiter sollten Ärzte psychische Faktoren wie chronischer Stress, Essstörungen und Depressionen in den Blick nehmen.

 

Mögliche Ursachen für Adipositas

Die Ursachen für Adipositas können demnach sehr vielfältig sein, und sind mit einer Diät nicht zu lösen. Neben den Lebensstilfaktoren führen die Autoren unter anderem folgende Krankheitsursachen auf.

  • Genetische Faktoren: Hier nennen die Autoren unter anderem das Prader-Willi-Syndrom – eine Behinderung, die durch eine Fehlfunktion des Zwischenhirns verursacht wird, das Bardet-Biedl-Syndrom – eine angeborene Entwicklungsstörung, sowie das 16p11.2 Mikrodeletions-Syndrom – eine Entwicklungsverzögerung mit leichter geistiger Behinderung.
  • Stoffwechselstörungen wie das Cushing-Syndrom (erhöhter Cortisolspiegel im Blut)
  • Hormonelle Ursachen wie das wie das PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom9 bei Frauen, ein Schwangerschaft oder die Wechseljahre,  oder ein Testosteronmangel beim Mann (Hypogonadismus)
  • Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Binge-Eating und Stress
  • Medikamente: Antidepressiva, Antieptilektika, Antipsychotika, Kortikosteroide, Blutdruckmedikamente und Insulin gehen oft mit einer erheblichen Gerwichtszunahme einher
  • Schäden am Gehirnbereich bzw. im Zwischenhirn, ausgelöst durch eine Operation oder eine Strahlenbehandlung

Das Erkennen der zugrunde liegenden Krankheiten, könne nicht nur zu einer effektiveren und individuelleren Behandlung führen, meinen die Autoren, sondern könnten auch das soziale Stigma reduzieren, dem übergewichtige Patienten häufig ausgesetzt seien.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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