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25.09.2017

Achtsamkeitsübungen helfen, Alkoholkonsum zu reduzieren

Achtsamkeitsübungen können dazu beitragen, dass Menschen mit riskantem Alkoholkonsum ihre wöchentliche Trinkmenge deutlich reduzieren. Bereits wenige Minuten Training pro Tag reichen einer Studie zufolge aus, um dem Verlangen nach Alkohol besser widerstehen zu können.
Achtsamkeitsmeditation

Achtsamkeitsübungen werden immer öfter in der Medizin eingesetzt

Achtsamkeitsübungen sind mittlerweile in der modernen Medizin angekommen. Insbesondere gegen Stress und zur Behandlung seelischer Störungen werden Achtsamkeits-basierte Therapien eingesetzt. Nun konnte eine kleine randomisierte Studie zeigen, dass bereits fünfzehn Minuten Achtsamkeitstraining pro Tag Alkoholkonsum zumindest kurzfristig um ein Drittel senken kann. Damit ist Achtsamkeit bei der Reduzierung des Alkoholkonsums wirksamer als Entspannungsübungen.

An der Studie des Forscherteams um Dr. Sunjeev K. Kamboj vom University College in London nahmen 68 Personen teil, deren Alkoholkonsum als riskant eingestuft wurde und die eine Präferenz für Bier hatten. Das heißt, dass die Männer mehr als 170 Gramm Alkohol oder acht Flaschen Bier pro Woche und die Frauen mehr als 110 Gramm oder fünf Flaschen Bier in der Woche tranken. Die Probanden sollten jedoch keine Alkoholabhängigkeit oder andere psychische Störungen aufweisen.  

Teilnehmer tranken weniger Alkohol

Zunächst wurden die Teilnehmer psychophysiologischen Tests unterzogen, um das Ausmaß ihres Cravings, also des Verlangens nach Alkohol, zu bestimmen. Dazu wurden ihnen unter anderem Wasser und (alkoholfreies) Bier vorgesetzt. Die Teilnehmer sollten sich nun zunächst vorstellen, davon etwas zu trinken, dann die Getränke tatsächlich konsumieren. Dabei wurden jeweils Blutdruck, Herzfrequenzvariabilität und weitere EKG-Parameter bestimmt. Die Forscher konnten so anhand der körperlichen Reaktionen auf einen vorgestellten oder tatsächlichen Biergeschmacksreiz die Stärke des Cravings bestimmen.  

Im Anschluss an die Untersuchung wurden die Personen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine erhielt eine elfminütige Anleitung zur Achtsamkeits-basierten Therapie, die andere eine ebenso lange Instruktion zu spezifischen Entspannungsübungen. Die Probanden sollten die Übungen zu Hause täglich mindestens 15 Minuten lang praktizieren; dazu erhielten sie die Audio-Anleitung sowie weiteres Übungsmaterial.

Eine Woche später wurden alle Teilnehmer erneut untersucht. Es zeigte sich, dass das Craving in beiden Gruppen geringer ausgeprägt war als vorher. Allerdings war es in der Gruppe mit den Entspannungsübungen noch etwas stärker reduziert als bei den Teilnehmern, welche die Achtsamkeitsübungen durchführten. Bei der Betrachtung des tatsächlichen Alkoholkonsums zeigte sich jedoch ein anderes Ergebnis: Während bei den Personen, die Entspannungsübungen durchführten, der Alkoholkonsum nur um etwa ein Achtel zurückgegangen war, konnten die Teilnehmer, die das Achtsamkeitstraining absolvierten, ihre pro Woche konsumierte Alkoholmenge um gut ein Drittel reduzieren.

 

Achtsamkeit schafft Distanz zum Alkoholdurst

Die Forscher schließen daraus, dass selbst eine sehr kurze Achtsamkeits-basierte Intervention den Alkoholkonsum deutlich reduzieren kann, und das offensichtlich besser als reine Entspannungsübungen. Die Idee dahinter: Durch die Konzentration auf die körperlichen Empfindungen gelingt es den Betroffenen, das Verlangen nach Alkohol als vorübergehenden Zustand zu akzeptieren, ohne zu versuchen, es zu unterdrücken. Durch die Entkoppelung von Reiz und Reaktion sollen sie wieder mehr Kontrolle über ihren Körper zurückgewinnen. „Achtsamkeitsübungen können jemanden dazu befähigen, besser wahrzunehmen, dass man reflexartig auf Verlockungen reagiert“, so Studienleiterin Kamboj. Wer seinen Gelüsten gegenüber achtsam sei, könne besser verhindern, sich sofort einen Drink zu genehmigen, sobald er Lust darauf verspürt.

Foto: © Swetlana Wall - Fotolia.com

Foto: ©Swetlana Wall - stock.adobe.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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