Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Absturz in die Pflegebedürftigkeit

Oberschenkelhalsbrüche sind typische Brüche des Alters. Jeder dritte Patient findet nach einer solchen Fraktur nicht mehr in sein selbständiges Leben zurück - und benötigt pflegerische Hilfe.
Knochenbrüche im Alter

Pflegefall nach Oberschenkelhalsbruch

Etwa 160.000 Menschen erleiden jährlich einen Oberschenkelhalsbruch. Experten gehen davon aus, dass sich diese Zahl mit der zunehmenden Lebenserwartung in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Denn ab dem 65. Lebensjahr stürzen Menschen immer häufiger, die Muskeln werden abgebaut und Fälle von Osteoporose nehmen zu. Auf Stürze gehen die meisten Todesfälle bei älteren Menschen zurück. 

 „Rund ein Drittel aller über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal im Jahr schwer“, sagt Professor Christoph Josten, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). „Glücklicherweise benötigen davon nur ein Fünftel medizinische Betreuung aufgrund von Verletzungsfolgen.“

Knochenbrüche: Risiko Pflegebedürftigkeit

Doch wer sich in hohem Alter einen Oberschenkelhalsbruch oder eine andere hüftnahe Fraktur zuzieht, ist stark gefährdet, für den Rest seines Lebens unter den psychischen Folgen zu leiden und pflegebedürftig zu werden. Selbst wenn die Behandlung optimal verlaufen ist.

„Die Angst, erneut zu stürzen – das sogenannte `Post Fall Syndrome´ – schränkt Betroffene in ihrem Aktionsradius radikal ein“, erklärt Josten. „Sie trauen sich nicht, ihre alten Gewohnheiten aufzunehmen, die sie unter Umständen in diese Situation gebracht haben. Sie bewegen sich seltener und treiben weniger Sport.“ Die Folge sei ein Teufelskreis aus Folgeerkrankungen wie Osteoporose, Muskelabbau sowie Schwächung des Kreislaufes und der geistigen Verfassung. Ein Drittel aller Patienten finde daher nicht mehr in sein Wohnumfeld zurück und benötige pflegerische Hilfe – der erste Schritt in die soziale Isolation, so der Unfallchirurg.

 

2,5 Milliarden für die Behandlungsfolgen

Fast immer ist ein Oberschenkelhalsbruch eine Folge von Osteoporose, dem sogenannten Knochenschwund. Weil Frauen häufiger an Knochenschund leiden, sind sie auch etwa doppelt so häufig von einem Schenkelhalsbruch betroffen. Die meisten Patienten wissen bis dahin gar nicht, dass sie Osteoporose haben. Nur selten gibt es Alarmzeichen wie Schmerzen bei Belastung.

Das Risiko, an den Folgen einer Oberschenkelhalsfraktur zu versterben, ist besonders für Hochbetagte besonders hoch: „Jeder dritte bis vierte Patient über 85 Jahre mit hüftgelenksnaher Fraktur stirbt innerhalb des ersten Jahres“, erläutert Josten. Dies entspreche dem Sterberisiko von Frauen bei Brustkrebs.

Oberschenkelhalsbrüche: Kosten

Neben dieser Gefahr sind solche Vorfälle auch volkswirtschaftlich bedeutend. „Allein die direkten Kosten einer Schenkelhalsfraktur betragen rund 20 000 Euro pro Fall“, führt Josten aus. Darin seien noch nicht die indirekten Kosten der Pflegebedürftigkeit eingeschlossen. Die Behandlungsfolgen werden auf jährlich etwa 2,5 Milliarden Euro geschätzt.

© Peter Atkins - Fotolia.com

Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin , Pflege
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

16.05.2017

Pflegebedürftigkeit ist für viele Menschen mit Scham verbunden. Wie Pflegebedürftige und pflegende Angehörige im Alltag damit umgehen können, zeigt jetzt ein neuer Ratgeber.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Interview mit Dr. med. Matthias Krause, Chefarzt der Median Klinik Hoppegarten - Rehabilitationsfachklinik für Orthopädie, Rheumatologie, Unfallverletzungen, Schmerztherapie und Medizinisch-berufliche Rehabilitation.
 
Weitere Nachrichten


 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin