. Expertenkommission

Abschlussbericht: Charité hat angemessen reagiert

Die unabhängige Expertenkommission hat dem Vorstand der Charité heute ihren Abschlussbericht übergeben. Im Umgang mit dem Missbrauchsvorwurf im vergangenen Jahr stellt sie dem Universitätsklinikum ein gutes Zeugnis aus.
Abschlussbericht: Charité hat angemessen reagiert

Expertenkommission zu den Missbrauchsvorürfen: der Charité ist nichts vorzuwerfen

Im vergangenen November soll ein 58 Jahre alter Pfleger eine 16-Jährige auf dem Charité-Campus in Wedding im Intimbereich berührt haben. Fünf Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die Charité eine Telefonhotline geschaltet und zur Aufarbeitung der Vorfälle eine Expertenkommission ins Leben gerufen. Außerdem wurde der Mann vom Dienst suspendiert. 

Die hochkarätig besetzte Expertengruppe unter Leitung der früheren Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hat heute nun ihren 33 Seiten langen Abschlussbericht vorgelegt. Kinderschutz- und Pflegeexperten bescheinigten der Universitätsklinik im Umgang mit dem Vorwurf gegen einen Pfleger ein angemessenes Vorgehen. Man sei „der Auffassung, dass der Fall in der Charité sachgerecht behandelt wurde“, sagte Brigitte Zypries heute in Berlin. Pluspunkte habe die Charité zum Beispiel damit gesammelt, dass der Pfleger nicht sofort angezeigt, sondern erst befragt wurde.

Der Abschlussbericht enthält außerdem viele Empfehlungen und Regelungen zum Schutz von Patienten, insbesondere Kindern und Jugendlichen, vor sexuellen Übergriffen. Auch Handlungsempfehlungen für Krisenfälle und Krisenkommunikation sind darin zu finden. 

Aus Kultur des Hinsehens soll Kultur des Handelns werden

Aus einer „Kultur des Hinsehens“, solle eine „Kultur des Handelns“ werden, meinte die ehemalige Bundesjustizministerin. Ein Sechs-Augen-Prinzip wie es oftmals gefordert werde sei nicht immer durchzuhalten, sagte Zypries. „Aber wenn Kinder behandelt werden, sollte immer ein Elternteil oder eine andere Begleitperson dabei sein.“ So empfehlen die Experten im Abschlussbericht etwa die Anschaffung eines anonymen Meldesystems, das Mitarbeiter Tag und Nacht zum Melden von Verdachtsmomenten zur Verfügung stehen soll. Zypries sagte, es stünde der Charité frei, die Empfehlungen umzusetzen. Es handle sich um freiwillige Maßnahmen.

Die Charité hatte bereits Ende letzten Jahres angekündigt, ein erweitertes Führungszeugnis von Mitarbeitern im Kinder- und Jugendbereich einführen zu wollen. Außerdem will sie ihre Kommunikationsabteilung restrukturieren.

Dem Pfleger konnte unterdessen kein sexueller Missbrauch nachgewiesen werden. Die Ermittlungen gegen ihn in diesem Fall wurden Ende Februar eingestellt. Zwei weitere Ermittlungen gegen den Mann laufen allerdings noch. Nach Bekanntwerden des Vorwurfes war der Pfleger von anderen Frauen angezeigt worden. Er ist seit 40 Jahren an der Charité beschäftigt. Wenn sich auch die neueren Vorwürfe nicht erhärten, bleibt der Mann sehr wahrscheinlich an der Klinik.

Zur Expertenkommission gehören:

Brigitte Zypries, Vorsitzende der Expertenkommission, MdB, Bundesministerin der Justiz a.D.,

Günther Brenzel, Pflegedirektor und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Tübingen a.D., Seniorberater im Gesundheitswesen,

Sigrid Richter-Unger, Leiterin der Beratungsstelle »Kind im Zentrum«, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.,

Dr. Sylvester von Bismarck, Leiter der Interdisziplinären Kinderschutzgruppe im Vivantes Klinikum Neukölln, Zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Kinderschutz in der Medizin e.V.,

Julia von Weiler, Vorstand des Kinderschutzvereins Innocence in Danger e.V.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Charité , Krankenhäuser , Pflege

Weitere Nachrichten zum Thema Charité

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Anlässlich des internationalen Tages der Gehörlosen machen Gehörlosen-Verbände auf die Situation der bundesweit ca. 80.000 gehörlosen Menschen aufmerksam und werben zudem für das Erlernen der Gebärdensprache, um Betroffenen mehr gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Hoher Blutdruck ist ein Männerproblem, niedriger Blutdruck eins der Frauen: Das klingt nach Klischee – und trifft im Grundsatz trotzdem zu. Im Alter ziehen die Frauen aber an den Männern vorbei. Der Risikofaktor hat aber nichts mit Bewegungsmangel oder ungesunder Ernährung zu tun.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.