. Infektionen

Ab 60 altert das Immunsystem

Warum werden Menschen ab 60 mehr Impfungen empfohlen als jüngeren? Ganz einfach, weil auch das Immunsystem altert. Der Körper kann dann nicht mehr so gut Infektionen abwehren.
Über 60 und noch topfit – trotzdem altert das Immunsystem

Über 60 und noch topfit – trotzdem altert das Immunsystem

Ob gegen Grippe oder Pneumokokken – Menschen ab 60 werden diese Impfungen – anders als jüngeren - ausdrücklich empfohlen. Denn ab dem Alter von 60 beginnt Experten zufolge auch das Immunsystem zu altern. Dadurch kann sich der Körper schlechter gegen Krankheitserreger wehren. Somit haben ältere Semester mit Säuglingen und Kleinkindern einiges gemeinsam. „Bei den meisten Infektionen sehen wir einen U-förmigen Verlauf“, sagt Prof. Mathias Pletz, Leiter des Zentrums für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena. „Das heißt, dass bei Kleinkindern aufgrund des noch unreifen Immunsystems viele Infektionen auftreten, deren Anzahl im Laufe des weiteren Lebens aber immer mehr zurückgeht, weil wir durch den häufigen Kontakt zur Umwelt einen Schutz aufbauen. Ab dem 60. Lebensjahr altert das Immunsystem jedoch wieder, der Schutz nimmt ab und die Häufigkeit der Infektionen wieder zu“, so der Experte.

Verwirrtheit statt Fieber

Zwischen kleinen Kindern und Senioren gibt es aber doch einen Unterschied. Kinder fiebern meist hoch und beginnen schnell zu husten, so dass Infektionen schnell erkannt werden. „Bei Älteren ist dies nicht immer der Fall“, meint der Infektionsmediziner. So könne sich auch eine Infektion durch Verwirrtheit äußern. „Wichtig ist dann, auch an mögliche Infektionen zu denken.“

Ältere Menschen haben zum Beispiel ein höheres Risiko für eine Lungenentzündung. Patienten, die wegen dieser Diagnose ins Krankenhaus eingewiesen werden, sind im Schnitt 74 Jahre alt. 14 Prozent der Patienten versterben noch in der Klinik daran, häufiger als andere Infektionen geht die Lungenentzündung auch in eine Sepsis über.

Laut Pletz sind die häufigsten Auslöser für eine Lungenentzündung Pneumokokken und Influenza. „Am schlimmsten ist es, wenn beide Erreger gleichzeitig auftreten – dann steigt die Sterblichkeit deutlich an“, sagt er. Der beste Schutz sei, sich impfen zu lassen.

 

Impfung ist der beste Schutz

Genau wie die Grippeimpfung wird Menschen ab 60 auch die Pneumokokken-Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Die Grippeimpfung muss jedes Jahr wiederholt werden, weil sich die Grippeviren von Jahr zu Jahr verändern. Die Pneumokokken-Impfung muss dagegen nur alle sechs Jahre aufgefrischt werden.

Neben der Impfung können sich ältere Menschen aber auch durch das eigene Verhalten vor einer Lungenentzündung schützen. Mundhygiene spielt laut Peitz eine wichtige Rolle, da die Bakterien von hier in die Lunge gelangen können. Auf das Rauchen sollte verzichtet werden, weil es die Flimmerhärchen lähmt und somit den wichtigen Abwehrmechanismus der Lunge blockiert. "Auch große Mengen Alkohol sorgen dafür, dass die Immunabwehr nicht so gut funktioniert, wie sie sollte“, so Pletz, 

Foto: pixabay Freie kommerzielle Nutzung

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten , Lungenentzündung , Impfen , Alter
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alter

| Die Einschätzung, ab wann man „alt“ ist, verändert sich offenbar im Laufe des Lebens und schiebt sich immer weiter nach hinten. Zudem stehen immer mehr Menschen dem Alter durchaus positiv gegenüber. Die meisten Deutschen möchten gerne lange arbeiten und würden auch Hilfsmittel, die das Alter leichter machen, annehmen.
| Keine Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten. Viele, die auf die 100-Jahre-Marke zusteuern, verfügen über eigene Ideen und Strategien für ein gutes Altern. Die Wissenschaft, kritisiert jetzt eine der wenigen Altersforscherinnen, habe dies bisher aber so gut wie übersehen.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Listerien, EHEC-Erreger, Campylobacter – in Fleisch und Wurstprodukten stecken jede Menge Krankheitserreger. Das Zoonosen-Monitoring 2017 zieht eine unappetitliche Bilanz. Dabei wurden nur Stichproben ausgewertet. Die Wahrheit könnte noch viel schlimmer sein.
Das Medulloblastom ist ein bösartiger Hirntumor, der meist im Kleinkindes- und Kindesalter auftritt. Forscher der Universität Bonn haben nun gemeinsam mit einem internationalen Team eine Form der Erkrankung identifiziert, die besonders gute Heilungschancen aufweist. Unter Umständen kann man den Betroffenen zukünftig mit einer deutlich schonenderen Behandlung helfen als bisher.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35 10717 Berlin, Mehrzweckraum (EG)
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.