Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.03.2021

84 Prozent für Impfung am Arbeitsplatz

In Deutschland gibt es ein weltweit einmaliges System von mehr als 12.000 Betriebsärzten – eine Option, um die schleppend laufende Breitenimpfung gegen COVID-19 in Schwung zu bringen. Eine große Mehrheit der Beschäftigten würde ein Impfangebot ihres Arbeitgebers begrüßen. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV.
Betriebsarzt spricht mit älterem Mitarbeiter.

In Deutschland existiert ein etabliertes und funktionierendes System von rund 12.500 Betriebsärzten, die mit Impfungen gegen COVID-19 bis zu 45 Millionen Beschäftigte erreichen könnten.

In den Amerika geht es zur Impfung ins Drive-in: Fenster runter, Oberarm frei, Spritze rein, Fenster hoch – fertig. Mehr als zwei Millionen Menschen werden dort derzeit geimpft – am Tag. Das entspricht der Gesamtzahl der bisher geimpften Deutschen – in den zweieinhalb Monaten seit Impfbeginn Ende Dezember. Der neue US-Präsident Biden hat das Ziel ausgegeben, dass in den ersten 100 Tagen seiner Präsidentschaft, also bis Ende April, 100 Millionen Amerikaner eine Impfung erhalten sollten. Von einem solchen Ziel ist Deutschland weit entfernt.

Mehrheit für unkompliziertes Impfangebot am Arbeitsplatz

Doch in der Wirtschaft wächst die Ungeduld – und offenbar auch bei Arbeitnehmern. Nach einer repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands wünscht sich eine große Mehrheit der Beschäftigten ein Impfangebot ihres Arbeitsgebers: 84 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland würden es gut oder sehr gut finden, wenn Unternehmen und andere Arbeitgeber ihren Mitarbeitern eine Corona-Impfung anbieten würden.

 

Betriebsärzte könnten 45 Millionen Beschäftigte impfen

„Für eine Beschleunigung der schleppend angelaufenen Impfkampagne müssen jetzt alle gesellschaftlichen Kräfte mobilisiert werden", sagt Dirk Stenkamp, Präsident des TÜV-Verbands. „Die Wirtschaft steht in den Startlöchern. Deutschland verfügt mit seinen Betriebsärzten über ein weltweit einmaliges System, um möglichst viele Erwerbstätige innerhalb kurzer Zeit impfen zu können.“ Neben den routinemäßigen Grippeschutzimpfungen könnten Betriebsärzte in Kürze auch Corona-Impfungen vornehmen und den Schutz vor einer COVID-19-Infektion damit in die Fläche bringen. Nach Berechnungen des TÜV könnten die rund 12.500 Betriebsärzte in Deutschland theoretisch 45 Millionen Erwerbstätige erreichen.

Herdenimmunität in der Belegschaft senkt Ausfallrisiko

Durch eine Impfung am Arbeitsplatz könnte das Ausfallrisiko für Betriebsteile oder ganze Unternehmen so deutlich reduziert werden. Die Tätigkeit in unterschiedlichen Branchen ist unterschiedliche riskant. „Erreichen die Unternehmen eine Herdenimmunität innerhalb der Belegschaft, können sie das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz minimieren und zu ihren gewohnten Arbeitsabläufen zurückkehren", sagt TÜV-Präsident Stenkamp. Größere Arbeitgeber beschäftigen in der Regel eigene Mediziner und unterhalten eigene medizinische Einrichtungen. Kleine und mittelständische Unternehmen arbeiten dagegen mit Dienstleistern wie MEDITÜV oder AMD TÜV zusammen. Diese betreiben arbeitsmedizinische Zentren, sind aber auch in den Betrieben vor Ort tätig. Kleinere Impfteams, bestehend aus einem Arzt, zwei Medizinisch-Technischen Assistenzen und zwei Verwaltungskräften, könnten laut TÜV rund 100 bis 150 Impfungen pro Tag vornehmen.

Arbeitnehmer sehen vor allem praktische Vorteile

Die Arbeitnehmer verbinden mit einer Corona-Impfung am Arbeitsplatz vor allem praktische Vorteile: 86 Prozent sagen, die Impfung sei leicht in den Arbeitsalltag zu integrieren und 70 Prozent geben an, die Impfung sei bequem zu erreichen. 42 Prozent nennen als Grund, dann kaum Kontakt zu möglicherweise erkrankten Personen zu haben.

Foto: AdobeStock/Monkey Business

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Ärzte , Infektionskrankheiten , Coronavirus , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema COVID-19-Impfung

21.02.2021

Fast täglich werden wir derzeit im Fernsehen mit dieser Szene konfrontiert – und viele müssen wegschauen: Nackte Oberarme, Gummihandschuhe, noch ist es nicht passiert. Aber dann: Zack ist die Nadel drin. Viele gehen nicht zum Impfen – allein aus diesem Grund. Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) in München bietet Betroffenen jetzt ein verhaltenstherapeutisches Kurzprogramm zur Behandlung der Spritzen-Phobie an.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Krebs: Eine halbe Million Menschen werden in Deutschland jedes Jahr mit dieser Diagnose konfrontiert. Die Deutsche Krebshilfe, die Betroffenen und ihren Familien seit 1974 hilft, verdankt ihren Erfolg auch den Prominenten, die ihren Glanz für die gemeinnützige Organisation in die Waagschale werfen. Gründerin war Mildred Scheel, populäre First Lady der Bundesrepublik und Ärztin. Neue Präsidentin ist Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter.

Um Schmerzen zu bekämpfen oder vorzubeugen und ihre Leistung zu steigern, greifen immer mehr Sportler zu Schmerzmitteln. Vor allem der „prophylaktische“ Gebrauch ist dabei gefährlich, warnt die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS).

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin