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700.000 Tote wegen Antibiotika-Resistenzen

Weltweit sterben jedes Jahr 700.000 Menschen, weil Antibiotika nicht mehr wirken. Was die Politik dagegen ausrichten will, wurde am Dienstag auf dem World Health Summit in Berlin thematisiert.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf dem World Health Summit 2016: Antibiotika-Resistenzen verlangen globales Handeln

Mit einem Globalen Aktionsplan hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr auf die wachsende Zahl der Antibiotika-Resistenzen reagiert. Danach ist die Suche nach neuen Antibiotika nur ein Teil einer umfassenden Strategie. Der Plan sieht außerdem vor, Infektionskrankheiten insgesamt zu reduzieren und vor allem den Verbrauch von Antibiotika zu drosseln. Denn je mehr Antibiotika eingesetzt werden, desto schneller werden Bakterien resistent. Ein WHO-Ziel lautet deshalb, auch das Bewusstsein um Antibiotika-Resistenzen zu stärken. Das betrifft nicht nur die Medizin, sondern vor allem die Tierhaltung, wo Antibiotika in Massen verfüttert werden und bereits ein Großteil der Tiere  multiresistente Keime in sich trägt.

Antibiotika-Resistenzen global angehen

„Antibiotika-Resistenzen sind ein vielschichtiges Problem, die eine multidisziplinäres Vorgehen und eine enge internationale Zusammenarbeit erfordern“, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler am Dienstag auf dem World Health Summit in Berlin. Wieler betonte, dass der von Deutschland ausgerichtete G7-Gipfel den Globalen Aktionsplan der WHO unterstützte und fasste die Ergebnisse eines Follow-Up-Workshops im Bundesgesundheitsministerium zusammen. Demnach wurden auf dem Workshop am 10. und 11. Oktober unter anderem das Etablieren von Anreizmechanismen für die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika sowie die Definition von besonders problematischen Pathogenen beschlossen.

 

Antibiotika-Dilemma noch nicht gelöst

Trotz aller Bemühungen, neue Antibiotika zu finden, ist die Pipeline aber leer. Vor 40 Jahren kam zum letzten Mal eine neue Substanz gegen gram-positive Bakterien auf den Markt, bei gram-negativen ist es sogar schon 60 Jahre her. Das Problem: Eine Substanz muss nicht nur Bakterien töten, sie muss auch sicher sein. „In dem Moment, wo sie eine geeignete neue Substanz gefunden haben, ist sie praktisch schon resistent“, beschrieb Peter Hammann von Sanofi-Aventis ein weiteres Dilemma. Darum nun die Initiative, Forschern Anreize für die Suche nach neuen Antibiotika zu bieten.

Verbrauch mit neuen Diagnostika drosseln

Wesentlich im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen ist aber auch ein besserer und gezielterer Umgang mit Antibiotika. Mit dem Horizon-Preis hat die EU-Kommission vor kurzem eine Million Euro für die Entwicklung eines Schnelltests ausgelobt. Eine schnelle Diagnostik, so die Idee, könnte Ärzte und Tiermediziner davon abhalten, Antibiotika wahllos einzusetzen. Experten wie Bernd-Alois Tenhagen vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) halten die Idee für richtig: „Neue Diagnostik-Methoden sind der Schlüssel zur Reduzierung des Antibiotika-Verbrauchs“, sagte der Veterinärmediziner auf dem Weltgesundheitsgipfel in Berlin.

Impfungen sind Teil der Lösung

Ein anderer Weg sind Impfungen. Vakzine könnten helfen, die Zahl der Infektionskrankheiten und damit auch der Antibiotika-Resistenzen zu reduzieren, meinte der Staatsminister der deutschen Bundeskanzlerin Helge Braun. Neben der Suche nach neuen Antibiotika und neuen Diagnostikmethoden sei dies auch eine zentrale Forderung der G-7-Staaten in Elmau gewesen, berichtete der CDU-Politiker.

Auf dem World Health Summit wurde deutlich, dass das Thema Antibiotika-Resistenzen inzwischen ganz oben auf der politischen Agenda steht: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sprach die Problematik gleich in seiner Eröffnungsrede an und betonte die Notwenigkeit globalen Handelns. Staatsminister Braun versicherte, unter Deutschlands Präsidentschaft werde auch der G20-Gipfel  das Thema "mit Nachdruck verfolgen."

Foto: World Health Summit 

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Medizin , Gesundheitspolitik
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