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20. Hauptstadtkongress startet mit politischem Appell

Mehr Kooperationen, mehr Vernetzung – dazu hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe am Dienstag auf dem Hauptstadtkongress aufgerufen. Viele gute Spitzenleistungen müssten zu einer Mannschaftleistung werden.
Ulf Fink ist der Kopf hinter dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit. Vom 20. bis 22. Juni 2017 findet der Branchentreff nun schon zum 20. Mal statt

Ulf Fink ist der Kopf hinter dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit. Vom 20. bis 22. Juni 2017 findet der Branchentreff nun schon zum 20. Mal statt

20 Jahre überstehen nicht viele Kongresse. Dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit von Ulf Fink ist es gelungen. Am Dienstag wurde der „Jubiläumskongress“ von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) eröffnet. Gröhe rief die Vertreter des deutschen Gesundheitswesens dazu auf, intensiver zu kooperieren. Aus vielen guten Spitzenleistungen müsse eine Mannschaftleistung werden, sagte er. Als konkretes Beispiel nannte er die sektorübergreifende Versorgung. Das Konkurrenzdenken zwischen ambulantem und stationärem Sektor befremde ihn manchmal, ebenso die Debatte um mehr Verantwortung für die Pflegeberufe. Der Innovationsfonds sei zum Beispiel eingerichtet worden, „damit Brücken zwischen den Sektoren gebaut werden statt Mauern.“ Dies müsse das Ziel aller Beteiligten sein.

Gröhe kritisiert schleppende Digitalisierung

Auch die großen Maximalversorger und die kleineren, regionalen Krankenhäuser rief er auf, stärker miteinander zu kooperieren. Durch digitale Vernetzung müsse künftig jeder Regelversorger in der Lage sein, das Wissen der Spitzenmedizin von einem Maximalversorger abzurufen. „Dank Telemedizin ist es dann egal ist, wie weit er entfernt ist“, so Gröhe. Dass eine solche Zusammenarbeit bislang nicht die Regel, sondern die Ausnahme ist, kritisierte der Minister. „Ich bedaure, dass das Thema Digitalisierung sehr zögerlich angegangen wird.“ Zu guter Letzt wies Gröhe auf die eigenen Verdienste hin. So hätten alle Gesetze der ablaufenden Legislaturperiode im Kern der Vernetzung gedient.

Innovationsfonds trägt erste Früchte

Der im Rahmen des Versorgungsstärkungsgesetzes eingerichtete Innovationsfonds ist zum Beispiel ein Ergebnis von Gröhes Arbeit. Dass aus dem vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) verwalteten Fonds tatsächlich Nützliches hervorgeht, wurde kurz nach Gröhes Ansprache deutlich, als das Rostocker Vorzeigeprojekt „HerzEffekt MV“ vorgestellt wurde. Das Projekt verspricht eine effizientere Versorgung von chronisch herzkranken Patienten auch in abgelegenen Regionen des vom Ärztemangel gezeichneten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Das Zauberwort heißt Digitalisierung: Patienten erhalten je nach Erkrankung Blutdruck-Messgeräte, Körperwaagen und Aktivitätsmesser, deren Werte über ein mobiles Gerät an das Care-Center am Universitätsklinikum Rostock gesendet werden – das Herzstück des Kooperationsprojekts. Dort entscheidet das medizinische Personal anhand der übermittelten Daten, ob alles in Ordnung oder eine weitere Behandlung notwendig ist. Teilnehmen können Patienten mit Herzschwäche, Vorhofflimmern oder einem schlecht behandelbaren Bluthochdruck.

Telemedizin gegen den Ärzetmangel

„Damit unternimmt die Unimedizin Rostock einen großen Schritt Richtung digitale Zukunft in MV“, sagt Vorstand Prof. Dr. Christian Schmidt, dessen Universitätsklinik das Projekt gemeinsam mit Philips und den beiden Krankenkassen AOK Nordost und Techniker Krankenkasse umsetzt. Für das sektorenübergreifende Vorhaben stellt der Innovationsfonds in den kommenden drei Jahren knapp 14 Millionen Euro bereit.

„Krankenhäuser, Ärzte und viele weitere Gesundheitsanbieter können jetzt im Interesse der Patienten besser miteinander kommunizieren und eine durchgängige Behandlung anbieten“, fasste Moderator Prof. Heinz Lohmann den Vorteil der Digitalisierung zusammen. Technik sei nicht patientenfeindlich, sondern helfe, deren Erwartungen zu erfüllen.

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit hat am Dienstag im Berliner City Cube begonnen. Bis Donnerstagabend werden mehr als 8.000 Entscheider aus Gesundheitswirtschaft und Politik erwartet. 

Foto: © Wiso 

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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