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180.000 Pflegekräfte fehlen in den nächsten Jahren

Freitag, 3. Dezember 2021 – Autor:
Die Zahl Pflegebedürftiger steigt stärker als angenommen. Zugleich fehlen in den nächsten Jahren etwa 180.00 Pflegekräfte. Das geht aus dem Barmer-Pflegereport hervor.
Der Pflegenotstand ist schlimmer als gedacht

– Foto: Adobe Stock/Anke Thomass

Der Pflegenotstand in Deutschland wird nach Hochrechnungen der Barmer brisanter als bisher angenommen. Im Jahr 2030 wird es mit dann insgesamt rund sechs Millionen Pflegebedürftiger über eine Million Betroffene mehr geben als bisher angenommen.

Bis dahin werden nach konservativer Schätzung mehr als 180.000 Pflegekräfte fehlen. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport der Barmer hervor, der in Berlin vorgestellt wurde. "Die Politik muss zügig gegensteuern", forderte Prof. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Krankenkasse.

Pflegeberuf familienfreundlicher machen

Der Pflegeberuf müsse deutlich attraktiver werden. Daher sei es richtig, geteilte Dienste abzuschaffen und den Anspruch auf familienfreundliche Arbeitszeiten einzuführen. Außerdem müsse mehr getan werden, um die Belastungen dieser enorm anstrengenden Arbeit abzufedern.

Der Autor des Barmer-Pflegereports, Prof. Heinz Rothgang vom Socium Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen, wies aufgrund der höheren Zahl an Pflegebedürftigen und des zunehmenden Personalbedarfs auf einen deutlich größeren Finanzbedarf hin. Dieser werde ohne weitere Leistungsverbesserungen von 49 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 59 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 steigen.

 

Länder sollen Investitionskosten übernehmen

Die Bundesländer müssten nun endlich ihrer Pflicht nachkommen, die Investitionskosten für stationäre Pflegeeinrichtungen zu übernehmen, forderte Straub in einer Pressemitteilung. Dadurch würde eine Entlastung bei den Eigenanteilen der Pflegebedürftigen erreicht werden. Bisher stellen die Pflegeheime dies in der Regel den Bewohnern in Rechnung.

Um eine finanzielle Überforderung der Pflegebedürftigen zu vermeiden sollten zudem die Leistungsbeträge der sozialen Pflegeversicherung einmalig angehoben und dann regelmäßig dynamisiert werden. Die für 2022 geplante Anhebung der Pflegesachleistungsbeträge sowie die Einführung eines Leistungszuschlages bei vollstationärer Pflege seien erste wichtige Schritte.

Barmer fordert: Eigenanteile senken

Der ab dem kommenden Jahr vorgesehene jährliche Steuerzuschuss in Höhe von einer Milliarde Euro solle im Gleichschritt mit den jährlichen Ausgaben der Pflegeversicherung ansteigen. "Die künftige Bundesregierung will die Pflegebedürftigen mittelfristig in Bezug auf die steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege entlasten. Auch die Prüfung zur weiteren Senkung der Eigenanteile ist ein wichtiges Element", so Straub.

In weniger als zehn Jahren werden knapp drei Millionen Pflegebedürftige von ihren Angehörigen gepflegt und damit rund 630.000 mehr als im Jahr 2020. Zudem wird es insgesamt eine Million Menschen vollstationär und 1,17 Millionen durch ambulante Pflegedienste versorgte Menschen geben. Dies entspricht einem Anstieg um 26 Prozent in Pflegeheimen und um 16 Prozent bei den ambulant versorgt Pflegebedürftigen.

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