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150 Minuten Bewegung pro Woche: Schlaganfall-Risiko sinkt um 50 Prozent

Montag, 9. Mai 2022 – Autor:
Schon vor der Corona-Pandemie haben sich 45 Prozent der Deutschen zu wenig bewegt. Die Pandemie hat das noch verstärkt. Dabei kann man mit mindestens 150 Minuten Bewegung in der Woche sein persönliches Schlaganfall-Risiko um 50 Prozent senken.
Vier Erwachsene gut gelaunt beim Nordic Walking.

Bewegung gilt als Alleskönnerin bei der Prävention von körperlichen wie psychischen Erkrankungen – und besonders auch beim Schlaganfall. – Foto: AdobeStock/Robert Kneschke

Sie hält das Herz gesund, schützt vor Krebs, schafft mehr Klarheit im Kopf und macht die Psyche stabil: Bewegung gilt als Alleskönnerin in Sachen Prävention. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt pro Woche mindestens 150 Minuten moderate Bewegung. Das sind gerade mal 21 Minuten am Tag – aber schon dieses überschaubare Pensum ist offenbar geeignet, sogar das persönliche Schlaganfall-Risiko um 50 Prozent zu senken. Darauf weist die „Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe“ anlässlich des jährlich am 10. Mai stattfindenden „Tags gegen den Schlaganfall" hin.

Covid-19-Pandemie: Sportvereine verlieren 850.000 Mitglieder

Schon vor der Pandemie haben gerade einmal 45 Prozent der Menschen in Deutschland das von der WHO empfohlene Bewegungspensum erreicht. „Die Pandemie wirkte zusätzlich wie ein Brandbeschleuniger in Sachen Mangelbewegung“, alarmiert jetzt die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Allein im ersten Jahr der Pandemie haben die deutschen Sportvereine 850.000 Mitglieder verloren, ermittelte der Deutsche Olympische Sportbund. Und die Sportstudios verloren nach Angaben ihres Dachverbandes DSSV in zwei Jahren gar weitere 2,4 Millionen Mitglieder.

 

Krankheitsprävention: Bewegung ist ein Alleskönner

Obwohl schon viele kleine Bewegungen am Tag, die wir nie mit Sport in Verbindung brächten, beachtliche Gesundheitseffekte haben können (Anti-Aging zum Beispiel), verbannen wir Zivilisationsmenschen Bewegung zunehmend aus unserem Alltag. „Der Fahrstuhl, die Scooter, die E-Bikes – alles ist automatisiert, dadurch haben wir keine ausreichenden Reize mehr für unseren Körper, die wir brauchen", sagt Deutschlands bekanntester Sportwissenschaftler Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Wenn Inaktive sich plötzlich bewegen: Hoher Gesundheitseffekt

Eine im Fachmagazin „European Heart Journal“ publizierte Studie aus Großbritannien bringt jetzt gute Nachrichten für alle, die mit dem Sport fremdeln. „Durch nur einen Spaziergang pro Woche lässt sich schon sehr viel erreichen“, weist die Studie anhand der Gesundheitsdaten von 93.000 Briten nach. Wer sich zuvor gar nicht bewegt hat, erzielt dadurch einen größeren Effekt auf seine Gesundheit als sportlichere Menschen, die ihre Aktivitäten steigern. Relativ betrachtet heißt das: Inaktive Menschen erzielen mit dem geringsten Aufwand den größten Nutzen. „Es ist in der Tat so, dass Anfänger immer die größten Fortschritte machen", bestätigt Ingo Froböse. „Es lohnt sich wirklich in jedem Alter, denn wir werden besser, und das sogar ganz schnell."

Prävention: Selbst das Zähneputzen ist „Bewegung“

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat einen Bewegungsrechner entwickelt, mit dem sich kalkulieren lässt, wie die persönliche Bewegungsbilanz ausfällt. „Dabei geht es nicht nur um Sport, denn auch durch Alltagsaktivitäten lässt sich die Bilanz aufbessern“, heißt es in einem Statement der Organisation. Die Stiftung erklärt, welche Bewegungen im Alltag eine präventive Wirkung haben können. Richtig ausgeführt zählt sogar das Zähneputzen dazu. „Jede Bewegung zählt!" sagt Ingo Froböse. „Und besonders dann, wenn ich bisher nicht viel körperliche Aktivität ausgeführt habe, ist es richtig, den Körper erst mal langsam an ein aktives Leben zu gewöhnen."

Stichwort „Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe“

Den jährlich am 10. Mai bundesweit stattfindenden Aktions- und Informationstag zum Thema Schlaganfall hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe im Jahr 1999 ins Leben gerufen. Die Organisationmit Sitz in Gütersloh beschäftigt sich mit Prävention, Früherkennung und Nachsorge von Schlaganfällen sowie der Behandlung und Rehabilitation Betroffener durch Aufklärung und Verbesserung diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten. Gründerin und Präsidentin ist die Unternehmerin Liz Mohn aus dem Medienkonzern Bertelsmann.

Die Stiftung betreut ein deutschlandweites Netz von etwa 400 Selbsthilfegruppen und mehr als 200 ehrenamtlichen Medizinern, den sogenannten Regionalbeauftragten. Bundesweit hat die Organisation gemeinsam mit der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft bis heute mehr als 300 Stroke Units zertifiziert – das sind spezialisierte Abteilungen in Krankenhäusern zur Behandlung von Schlaganfällen. Zudem hat sie unter anderem ein Service- und Beratungszentrum für Betroffene und Angehörige, spezielle Programme für betroffene Kinder und junge Menschen sowie einen Förderfonds für Selbsthilfegruppen. Seit einigen Jahren setzt sich die Stiftung verstärkt für die Nachsorge von Schlaganfall-Betroffenen ein.

Hauptkategorie: Prävention und Reha
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