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07.07.2021

100 Jahre Insulin: Was gibt es Neues?

Wenn noch vor 100 Jahren ein Mensch an Diabetes Typ 1 erkrankte, war das sein Todesurteil. Eine Behandlung der Krankheit gab es nicht. Genau vor 100 Jahren dann, im Juli 1921, entdeckten kanadische Mediziner das Blutzuckerspiegel-regelnde Hormon Insulin, das zugleich als Medikament eingesetzt werden kann. Vieles hat sich seit damals getan. Aktuell arbeitet die Forschung sogar an Insulinen, die mitdenken.
Frau spritzt sich Insulin ins Bauchfettgewebe.

Bisher müssen sich Diabetes-Patienten das Hormon Insulin regelmäßig spritzen. Die Wissenschaft arbeitet daran, neue Darreichungsformen zu entwickeln – wie das Insulin, das man einfach einnehmen kann.

Insulin ist ein Hormon, das bei der Regulation des Stoffwechsels eine wichtige Rolle spielt. Insulin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es Körperzellen dazu anregt, Glucose aus dem Blut aufzunehmen. Für den Menschen verfügbar machten es kanadische Forscher, die  Experimente zur Erforschung der Zuckerkrankheit unternahmen. 1921 gelang ihnen die Isolierung von Insulin, ein Jahr später begann die industrielle Insulin-Herstellung und die erfolgreiche Anwendung bei Patienten. Nur ein weiteres Jahr später erhielten die Entdecker dafür den Medizin-Nobelpreis. In der Erforschung und Therapie hat sich seither viel bewegt. Betroffene hoffen auf neue Insulin-Entwicklungen, die die Diabetes-Therapie weiter verbessern. So will die Wissenschaft schon in wenigen Jahren sogenannte Smart-Insuline anbieten – Insuline, die mitdenken. Und das ist nicht alles.

Probleme mit dem Hormon Insulin führen zu Diabetes

Vier Typen von „Diabetes mellitus“ werden heute unterschieden. Die zwei wichtigsten sind die Diabetes-Formen Typ 1 und Typ 2. Die Typ-1-Variante ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Betazellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse zerstört werden. Die Folge ist üblicherweise ein absoluter Insulinmangel, Patienten müssen sich das Hormon regelmäßig spritzen.

Die Typ-2-Variante mit relativem Insulinmangel ist heute die vorherrschende und gilt mittlerweile als Volkskrankheit bei steigender Tendenz. Ursachen sind Übergewicht, wenig Bewegung und ungesunde Ernährung, was zu einer Ermüdung der Insulinproduktion und/oder einem Wirkverlust des Hormons in den Zellen führen kann („Insulinresistenz“).

 

In der Entwicklung: Insuline, die mitdenken

Neue Insuline sollen künftig die Diabetes-Therapie verbessern und das Leben der Patienten weiter erleichtern. Wie Insuline in Zukunft wirken könnten, zeigt etwa das Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber" in seiner aktuellen Ausgabe (7/2021). So wird derzeit in einer großen Studie ein Langzeitinsulin getestet, das nur einmal wöchentlich gespritzt werden muss. Große Hoffnungen richten sich auch in Insuline, die gewissermaßen mitdenken – sogenannte Smart-Insuline. „Diese 'schlauen' Insuline werden wie andere Insuline unter die Haut gespritzt – sie wirken aber nur, wenn der Blutzucker steigt", sagt Thomas Forst, Diabetologe und medizinischer Direktor bei der CRS GmbH, einem privaten Forschungsinstitut für klinische Studien in Mannheim. In fünf Jahren könnten laut Forst die ersten Insuline dieser Art auf den Markt kommen.

Denkbar: Insulin, das man nicht spritzt, sondern einnimmt

Auch an einer Insulintablette wird geforscht. So hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern das Insulin zwischen zwei Schichten von Nanopartikeln gepackt. Dieses orale Smart-Insulin kann dadurch unbeschadet durch den Verdauungstrakt gelangen und wird nur freigesetzt, wenn der Blutzucker steigt, sagt der Internist und Endokrinologe Forst. Weil es zu teuer gewesen wäre, ist diese Form des Insulins zum Schlucken nicht auf den Markt gekommen. Forscher arbeiten aber weiter daran. Denn ein weiterer Vorteil eines oralen, smarten Insulins wäre, dass es wie körpereigenes Insulin aus dem Blut zuerst zur Leber gelangen würde. Dazu sagt Facharzt Thomas Forst. „Durch die natürlichere Insulinwirkung erhofft man sich stabilere Blutzuckerwerte und eine geringere Gewichtszunahme."

Foto: AdobeStock/Goffkein

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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