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Zwei Drittel der Deutschen für Cannabis-Legalisierung

Freitag, 4. November 2022 – Autor:
Die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken ist das vielleicht schillerndste politische Projekt der Ampel-Koalition. Eine Umfrage zeigt, wer innerhalb der Bevölkerung dafür ist und wer dagegen – und wie der „Stoff“ verkauft werden soll.
Party - Mann und Frau rauchen einen Joint und haben Spaß.

Eine stattliche Mehrheit der Deutschen befürwortet inzwischen die Legalisierung von Cannabis. Die Abgabe wünschen sich viele aber nur kontrolliert und limitiert und in lizensierten Shops, wie es etwa in Amsterdam seit Langem der Fall ist. – Foto: AdobeStock/LIGHTFIELD STUDIOS

Die Bundesregierung hat Ende Oktober offiziell die Eckpunkte für eine Cannabis-Legalisierung in Deutschland vorgestellt. Unter anderem sollen Cannabis und der Wirkstoff THC demnach rechtlich nicht mehr als „Betäubungsmittel“ eingestuft werden; für den Eigenkonsum sollen 20 bis 30 Gramm Cannabis straffrei sein; ein Eigenanbau von bis zu drei Pflanzen pro volljähriger Person soll erlaubt werden, ebenso der Verkauf an Erwachsene in lizenzierten Fachgeschäften und eventuell in Apotheken. Während die Beliebtheitswerte für die Ampel-Regierung gerade sehr zu wünschen übrig lassen, steht offenbar eine breite Mehrheit der Bevölkerung hinter deren Plänen zur Legalisierung von Cannabis. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Statista und des Meinungsforschungsinstituts Civey in Auftrag des Berliner Cannabis-Unternehmens Sanity Group.

Legales Cannabis: Jugend jubelt, Senioren sind dagegen

Was die Resonanz in der Bevölkerung auf die Pläne der Bundesregierung angeht, spielen Alter und Wohnort eine wichtige Rolle. Insgesamt befürwortet eine Zweidrittelmehrheit der Befragten (66 Prozent) die Legalisierung von Cannabis. Ein signifikantes Gefälle besteht hierbei zwischen den verschiedenen Altersgruppen: Während 80 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sich dafür aussprechen, sinkt der Anteil der Befürworter mit zunehmendem Lebensalter. Bei den 30- bis 49-Jährigen hält noch eine große Mehrheit von 68 Prozent das angestrebte Gesetz für eine gute Idee, bei den 50- bis 69-Jährigen sind es immerhin noch 65 Prozent.

Bedenkenträger finden sich vor allem unter den Senioren: Ab 70 Jahren aufwärts ist eine knappe Mehrheit von 51 Prozent sogar gegen eine Legalisierung. In einer früheren Umfrage hatte sich gezeigt, dass sich beispielsweise das Personal in deutschen Apotheken für eine Legalisierung ist. In einer im Juli 2021 publizierten Umfrage sprachen sich damals 64 Prozent der Mitarbeiter für diesen Schritt aus, um den Gesundheitsgefahren durch gestreckte oder gefälschte Schwarzmarktware vorzubeugen.

 

Was die Bevölkerung von Hasch-Keksen hält

Die Bundesregierung möchte laut Eckpunktepapier bei einer Cannabis-Legalisierung Darreichungsformen zum Rauchen, Inhalieren, zur nasalen und oralen Aufnahme in Form von Kapseln, Sprays und Tropfen erlauben. Sogenannte Edibles sind demnach zunächst aber nicht geplant: Als „Edibles“ werden Lebensmittel bezeichnet, die als Zutaten Cannabis-Extrakte und den berauschenden Wirkstoff THC enthalten können (THC = Tetrahydrocannabinol). Das können Backwaren sein wie Hasch-Kekse oder Weed-Brownies, aber auch Getränke oder Süßigkeiten.

Bei Edibles setzt die berauschende Wirkung später ein als beim Rauchen, ist aber häufig auch stärker. In der jetzt veröffentlichten Umfrage zeigte sich fast jeder zweite Befragte zwischen 30 und 49 Jahren offen dafür. Ab 50 Jahren dann überwiegt die Abneigung dem gegenüber (50 Prozent bei den 50- bis 64-Jährigen; 67 Prozent ab 65 Jahren).

Legales Cannabis: Viele Stadtbewohner und Westdeutsche dafür – viele Ostdeutsche dagegen

Interessant ist auch ein Blick auf die Zustimmungswerte je Bevölkerungsdichte: Je dichter besiedelt eine Region ist, desto positiver fällt das Urteil zu den Plänen der Regierung aus, vor allem bei den Stadtbewohnern. Im Osten des Landes wird das Papier der Regierung grundsätzlich kritischer gesehen. Hier sind 45 Prozent der Befragten dagegen – im Bundesdurchschnitt nur 35 Prozent.

Cannabis-Abgabestellen: Lizensierte Shops und Apotheken

Darüber, wo Cannabis nach einer Legalisierung verkauft werden sollte, gibt es unterschiedliche Ansichten: Jeder Zweite spricht sich für einen Verkauf in lizenzierten Fachgeschäften aus, wie von der Bundesregierung angestrebt. Zwei von drei Personen können sich auch den Kauf in einer Apotheke vorstellen. Knapp die Hälfte der Befragten (54 Prozent) würde eine Deckelung der Verkaufsmenge pro Person befürworten.

Was denken die Wähler der einzelnen Parteien?

In einer weiteren Umfrage durch das Befragungsinstitut Civey im Auftrag der Sanity Group wurde untersucht, in welchem Zusammenhang die Wahlabsicht auf der einen und die Meinung zur Legalisierung auf der anderen Seite stehen. Hier eine Rangfolge von Parteien nach Anteil der Befürworter einer Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken (in Klammern: Befürworter von Cannabis ausschließlich als Medizin, etwa gegen besonders starke Schmerzen):

  1. Grüne: 64 Prozent (Medizinal-Cannabis: 23 Prozent )
  2. Die Linke: 50 Prozent (31 Prozent)
  3. FDP: 45  Prozent (28 Prozent)
  4. SPD: 43 Prozent (40 Prozent)
  5. AfD: 27 Prozent (34 Prozent)
  6. CDU/CSU: 21 Prozent (44 Prozent)

Cannabis-Konsum: 39 Prozent haben’s noch nie probiert

Grundsätzlich stößt die Diskussion um die Cannabis-Legalisierung in der Bevölkerung auf großes Echo: 70 Prozent der Befragten einer repräsentativen Statista-Umfrage unter Bundesbürgern zwischen 18 und über 70 verfolgen nach eigenen Angaben die Diskussion um das Thema mit Interesse. In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen sind es sogar 87 Prozent. Dabei gaben 39 Prozent aller Befragten an, noch nie Cannabis konsumiert zu haben und es auch nicht ändern zu wollen – selbst nicht im Falle einer baldigen Legalisierung.

Patienten, die Medizinal-Cannabis nutzen, zu fast 90 Prozent für Legalisierung

Ein knappes Viertel (23 Prozent) hat zwar ebenfalls noch nie Cannabis konsumiert, kann sich aber vorstellen, es auszuprobieren. Zwei Prozent der Befragten haben bereits aus gesundheitlichen Gründen Erfahrungen mit Cannabis gesammelt – wohlgemerkt mit Medizinal-Cannabis, das mit der Droge nicht zu verwechseln ist, und das es seit 2017 auf Rezept gibt. Von diesen Patienten befürworten 89 Prozent die Legalisierung auch als Party- und Lifestyle-Droge.

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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