Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

TU-Forscher haben neues Antibiotikum gegen multiresistente Keime in der Pipeline

Freitag, 24. Juni 2016 – Autor:
Vor der wachsenden Zahl multiresistenter Bakterien wird händeringend nach neuen Antibiotika-Klassen gesucht. Hoffnung kommt nun aus den Laboren der TU-Berlin. Dort verfeinern Wissenschaftler gerade einen Wirkstoff, der die gefährlichen gram-negativen Bakterien bekämpfen soll.
Vom Zuckerrohr zu einem neuen Antbiotikum: TU-Forscher Roderich Süssmuth (li.) und Daniel Petras bei der Arbeit

Vom Zuckerrohr zu einem neuen Antbiotikum: TU-Forscher Roderich Süssmuth (li.) und Daniel Petras bei der Arbeit

In der Antibiotika-Forschung herrscht seit Jahren Ebbe. Es fehlen neue Antibiotika-Wirkstoffklassen, die der Vielzahl multiresistenter Bakterien das Handwerk legen könnten. Eine Meldung der TU-Berlin macht nun Hoffnung auf eine neuen antibiotischen Wirkstoff. Es ist ein Stoffwechselprodukt des pathogenen Bakteriums Xanthomonas albilineans, Albicidin genannt. Das Bakterium befällt Zuckerohrpflanzen. Sein Stoffwechselprodukt wurde 1985 entdeckt und soll besonders gut gegen die schwer zu bekämpfenden gram-negativen Bakterien wie Kolibakterien, Salmonellen, Klebsiella oder Legionellen wirken. Um es zu einem antibiotischen Medikament zu entwickeln, wird es nun intensiv im Forschungsprojekt „AlbiPharm“ beforscht. Das Bundesforschungsministerium steuert 1,6 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren bei.

Neuer Wirkstoffkandidat bekämpft gram-negative Bakterien

„In der heutigen Antibiotikaforschung muss die Bekämpfung der Gram-negativen Bakterien ein Schwerpunkt sein“, sagt Projektleiter Prof. Roderich Süssmuth, Leiter des Fachbereichs Biologische Chemie. „Denn was das Reservoir an Wirkstoffen gegen diese Keime anbelangt – da ist die Pipeline praktisch leer.“

Süssmuths Arbeitsgruppe hatte im vergangenen Jahr bereits die Struktur des Stoffwechselproduktes Albicidin aufklären können. Auf dieser Grundlage will das Team jetzt die Wirksamkeit des antibiotischen Wirkstoffs Albicidin optimieren und als Wirkstoff in einem Medikament vorbereiten.

Albicidin greift ein für Bakterien lebenswichtiges Enzym an, die sogenannte Gyrase. „Als besonders vorteilhaft erweist sich, dass Gyrase-Hemmer wie die auf dem Markt befindlichen Fluor-Chinolone, die weltweit Millionen Menschen das Leben gerettet haben, besonders effiziente Antibiotika sind“, erklärt Süssmuth. Da das natürliche Vorkommen des Wirkstoffs nicht ausreichend für eine Optimierung ist, wird es mittlerweile synthetisch hergestellt. Die TU Berlin hat ein Patent darauf.

 

Ziel ist ein neues Medikament

Süssmuth meint, der Wirkstoff lasse sich verhältnismäßig einfach und kostengünstig herstellen. Dadurch könnten nun auch Strukturvariationen vorgenommen werden, die die Wirkstoffeigenschaften des Albicidins verbessern. Mittelfristig soll ein pharmazeutisch aktiver Wirkstoff dabei herausspringen, der zunächst am Tiermodell getestet werden muss. Langfristiges Ziel ist die Entwicklung eines Medikaments, das beim Menschen wirksam gegen multiresistente Keime eingesetzt werden kann.

Foto: © TU Berlin/PR/Ulrich Dahl 

Hauptkategorien: Berlin , Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotika , Antibiotikaforschung , Antibiotikaresistenzen , Multiresistente Erreger
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiresistente Bakterien

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Ein Schrank voller Nudeln, Klopapier und Wasserflaschen: Das ist eine Art, mit aktuellen Krisen wie Ukraine-Krieg und Klimawandel umzugehen. Eine weitere Art ist, alles zu tun, dass man psychisch stabil und gesund bleibt. Experten sagen: Das kann man lernen.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin