- Aktuelles Porträt.
Dr. rer. nat. Helmut Kunze

Die großen Zusammenhänge erkennen
Kontakte knüpfen – Netzwerke schmieden, so könnte man die Tätigkeit von Dr. Helmut Kunze mit wenigen Worten beschreiben. Kunze selbst könnte man als den Hauptakteur für alle Belange der Medizintechnik der Hauptstadt bezeichnen, ist er doch offiziell bestellter Kompetenzfeldmanager für Medizintechnik in Berlin. Sein Masterplan zur Medizintechnik wurde in den zur „Gesundheitsregion Berlin“ integriert – Kunze sorgt nun dafür, dass dieser Plan auch umgesetzt wird.
Die Kompetenzfeldbildung und den Masterplan- Prozess wertet Kunze als echten Erfolg. So habe die Quadriga bestehend aus Technologiestiftung Berlin, Senatsverwaltung für Wirtschaft, IHK, Berlin Partner und IBB endlich klare Schnittstellen zwischen den einzelnen Kompetenzbereichen geschaffen und Schwerpunkte gesetzt. Das sei notwendig, denn noch immer gebe es zu viele Interessensgruppen, die sich gegenseitig Konkurrenz machten statt bei der Entwicklung der Medizintechnik in Berlin zu kooperieren.
Den Standort Berlin international sichtbar machen
Klarheiten schaffen, das liegt ihm, Schwerpunkte finden – also Felder identifizieren, die zukunftsträchtig sind, das ist sein Job. Solche Felder heißen zum Beispiel Hochfeld-Magnetresonanztomographie, Molekulare Bildgebung oder Protonen-/ Schwerionentherapie. In diesen und unzähligen anderen Technologiefeldern koordiniert er die Akteure miteinander, bringt Ärzte und Wissenschaftler mit den entsprechenden Unternehmen zusammen und sorgt somit dafür, dass Forschungsprojekte zu marktfähigen Produkten und Dienstleistungen umgesetzt und international sichtbar werden. „Der Charme für die Akteure besteht darin, dass wir dabei keine eigenen Verwertungsinteressen verfolgen, sondern einzig für den Standort da sind“, sagt Kunze.
Für den Standort hat er gerade zwei Anträge zur Finanzierung von Netzwerken eingereicht und deren Finanzierung durch externe Mittel für die nächsten drei Jahre gesichert. Auch der diesjährige Treffpunkt Medizintechnik – ein etablierter Branchentreff, der seine Handschrift trägt, ist Zeichen seines Engagements für den Standort. Für den Standort engagiert er sich im Gesundheitsstadt Berlin e.V., ist Mitglied im Programmkomitee für Laser und Optik Adlershof sowie Förderndes Mitglied der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft.
Aus seinen Erfolgen gewinnt er die Energie, die er braucht, um sich auf einem Parkett zu bewegen, das keinen Feierabend kennt. Kunze bewegt sich dort schon lange, besonders mag er die Vielseitigkeit daran. Seine Promotion hat er am Max-Planck-Institut für Molekularbiologie gemacht und damals, Mitte der 1980er Jahre, „Arbeitsbedingungen, eine Forschungsqualität und eine Internationalität vorgefunden, die einzigartig waren.“ Man redete englisch, man fuhr in die USA zu Kongressen und letztlich sei der Name „Max-Planck-Institut“ ein Jobsprungbrett gewesen, erinnert sich Kunze. Sein Weg führt ihn weiter über das Benjamin-Franklin- Klinikum und die Transferstelle der TU im Jahr 1989 zur Technologie-Vermittlungs- Agentur Berlin e.V., die heute TSB Technologiestiftung Innovationsagentur Berlin GmbH heißt. Dort wird er Leiter der Innovations- und Technologieberatung und bleibt es bis heute für den Bereich LifeScience. Zusätzlich übernimmt er im Jahr 2000 die Leitung des Zentrums für Medizintechnik Berlin – TSBmedici. Im selben Jahr trifft ihn eine schwere Erkrankung, doch Kunze hat Glück. Was bleibt, ist die ihm eigene charmante Heiserkeit. Sicher hat die Erkrankung damals viel von seiner jetzigen Weltsicht geprägt. Das Hier und Jetzt ist ihm wichtig geworden, nicht die Vergangenheit und weniger der oft naive Glaube an die Zukunft. Zu oft hat er schon miterlebt, dass Menschen für eine Zukunft lebten, die dann niemals eingetroffen ist. Und auch die Relation der Dinge sieht er aus einer weisen Distanz. Vieles werde viel zu wichtig genommen und verliere die vernünftige Relation. Manches ein bisschen tiefer hängen und wieder auf ein angemessenes Maß zurechtrücken, fände Kunze sehr wohltuend.
Prägend und hilfreich als Vorbild war sein Vater für ihn. Geradlinigkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Verantwortung übernehmen, seine Arbeit gut machen, das sind Werte, die der heute 54-Jährige von seinem Vater übernommen hat, die ihm viel bedeuten und die er heute im Alltag oft vermisst. Er selbst sei sicher nicht einfach, weil er eigensinnig ist und klare Vorstellungen habe, räumt Kunze ein. Für den Standort Berlin kann dies nur von Vorteil sein.
Beatrice Hamberger
BERLIN MEDICAL 03–August 2006

