Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Neuer Mechanismus bei der Bildung von Nervenzellen entdeckt

Montag, 29. Dezember 2014 – Autor:
Astrozyten, die zu den Gliazellen gehören, können die Bildung neuer Nervenzellen anregen. Dies zeigt eine aktuelle Studie aus Schweden. Die Entdeckung könnte zu neuen Ansätzen bei neuro-regenerativen Therapien führen.
Neuronen-Neubildung durch Glia

Gliazellen können sich zu Neuronen umbilden. – Foto: ag visuell - Fotolia

Gesunde Neuronen können nach einer Schädigung des Gehirns die Aufgaben von zerstörten Nervenzellen übernehmen. Ein zweiter Weg ist die Neubildung von Nervenzellen. Wissenschaftler der Lund Universität und des Karolinska Instituts in Stockholm, Schweden, konnten nun zeigen, dass eine bestimmte Art von Nervenzellen, die Astrozyten, in der Lage sind, die Bildung neuer Neuronen anzuregen.

Astrozyten wandeln sich in Nervenzellen um

Astrozyten sind relativ schwer zu definieren, da sie eine heterogene Gruppe von Nervenzellen bilden.  Die meisten Astrozyten gehören zu den Gliazellen. Doch so schwer sie zu beschreiben sind, könnten sie möglicherweise in Zukunft zu einer neuen Therapieoption bei Hirnschädigungen führen. Denn die schwedischen Forscher haben eine besondere, bisher nicht bekannte Fähigkeit der Zellen entdeckt: Im Tiermodell waren Astrozyten nach einem künstlich herbeigeführten Schlaganfall in der Lage, sich im Bereich der geschädigten Hirnareale in neue Nervenzellen umzuwandeln.

In einem gesunden Gehirn verhindert ein dauerhaft aktiver Signalweg, dass sich aus Astrozyten neue Nervenzellen bilden. Im Mausmodell haben die Astrozyten auch bei Tieren, die keinen Schlaganfall erlitten hatten, neue Nervenzellen produziert, wenn dieser Signalweg blockiert wurde. „Wie es aussieht, lässt sich die Herstellung neuer Nervenzellen nicht nur durch einen Schlaganfall induzieren“, erklärte Studienautor Zaal Kokaia. Der Mechanismus lasse sich möglicherweise auch bei anderen Erkrankungen des Gehirns einsetzen, wenn es darum geht, beschädigte oder zerstörte Nervenzellen zu ersetzen, so der Wissenschaftler weiter.

 

Neue Therapieoption bei neurodegenerativen Erkrankungen möglich

Andere Untersuchungen des Forscherteams zeigten, dass die neu gebildeten Nervenzellen synaptische Kontakte zu den anderen Zellen ausbildeten – eine wichtige Voraussetzung für den Austausch neuronaler Transmitter. Ob diese neu gebildeten Neuronen aber tatsächlich funktionell sind und inwiefern sie an der spontanen Regeneration, die bei den meisten Versuchstieren und Patienten nach einem Schlaganfall zu beobachten ist, beteiligt sind, müssen weitere Versuche erst noch zeigen.

Sollte sich herausstellen, dass die neuen Nervenzellen tatsächlich von Astrozyten abstammen und dass diese sich auch beim Menschen nach einem Schlaganfall oder anderen hirnschädigenden Prozessen in Nervenzellen umwandeln, gäbe es neben der Neubildung von Nervenzellen im Striatum eine weitere Möglichkeit des erwachsenen, menschlichen Gehirns, geschädigte Bereiche zu reparieren. Wenn die Umwandlung dann noch verstärkt werden könnte, wären neue Therapieansätze bei degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson oder bei der Regeneration nach einem Schlaganfall denkbar.

Foto: © ag visuell - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Neurodegenerative Erkrankungen

06.01.2018

Chorea-Huntington ist genau wie Alzheimer eine unheilbare neurodegenerative Erkrankung. Grundlagenforscher ist aus Berlin haben jetzt einen molekularen Mechanismus entdeckt, der die Produktion der schädlichen Eiweiße unterdrückt. Damit wächst die Hoffnung auf eine wirksame Therapie.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Wenn Angehörige wegen einer akuten oder chronischen Krankheit in den eigenen vier Wänden gepflegt werden müssen, übernehmen das meist Frauen. Nur wenige Männer nutzen die „Familienpflegezeit“ – auch, weil das (noch) mit finanziellen Risiken verbunden ist.


 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin