. Augenheilkunde

Netzhautprothese kann Blinden helfen

Seit einiger Zeit gibt es für blinde Patienten die Option, durch eine Netzhautprothese wieder Farben und Formen zu erkennen. Nun wurde am Universitätsklinikum Leipzig eine solche Prothese implantiert – offenbar mit Erfolg.

Eine Netzhautprothese hilft Blinden, Formen und Farben zu erkennen

Das sogenannte bionische Auge, eine Prothese, die auf der Netzhaut implantiert wird, kann Patienten mit einer angeborenen, schweren Netzhauterkrankung funktionale Sehkraft zurückgeben. Das erste Zentrum, das eine Netzhautprothese in Deutschland implantiert hat, war das Universitätsklinikum Köln. Nun haben Augenärzte vom Universitätsklinikum Leipzig (UKL) ebenfalls eine Netzhautprothese verpflanzt. Der Eingriff war der erste dieser Art im ostdeutschen Raum.

Das Sehvermögen, das durch die Netzhautprothese ermöglicht wird, entspricht keineswegs der normalen Sehfähigkeit. Doch die Patienten können nach Jahren der Dunkelheit wieder Licht, Schatten und Formen erkennen, wodurch sie sich im Raum besser orientieren können. „Es wird wieder hell“, beschreibt Bernd Burkhardt, der erste am UKL operierte Retinaprothesenträger, seine neue Wahrnehmung. „Ich sehe jetzt unstrukturierte Lichtflecke, die ich lernen muss zu interpretieren“, schildert er seine ersten Erfahrungen mit dem Implantat. Burkhardt leidet seit seiner Jugend an der erblichen Augenerkrankung Retinitis pigmentosa (RP) und war die letzten 15 Jahre völlig blind.

Visuelle Reize ermöglichen Orientierung im Raum

Die Prothese mit dem Namen „ARGUS II“ wird auf der erkrankten Netzhaut befestigt. Dazu trägt der Patient eine Brille, in der eine Miniaturkamera eingebaut ist. Diese Kamera überträgt visuelle Informationen als Impulse an das Netzhautimplantat. „Der Patient nimmt damit Lichtblitze wahr, die eine Unterscheidung von hell-dunkel und damit auch das Erkennen von Flächen und von Bewegungen ermöglichen“, erklärt Professor Peter Wiedemann den Effekt des Gerätes. Wiedemann, Direktor der Augenklinik des UKL, hat die Operation geleitet.

Der Patient muss zunächst lernen, die neuen visuellen Muster zu interpretieren und daraus Informationen über die Umgebung zu gewinnen. Nach einigen Monaten können dann helle Gegenstände von dunklen unterschieden oder Stufen und Türen erkannt werden. Voraussetzung ist eine funktionierende Signalübermittlung. Zwei Wochen nach der Operation wird dies erprobt, indem das Gerät angeschaltet und individuell angepasst wird. Im Falle von Bernd Burkhardt verlief das sehr gut: Schon am ersten Tag konnte er Linien erkennen. „Richtiges Sehen ist zwar etwas anderes, aber für die von degenerativen Netzhauterkrankungen betroffenen Patienten, für die dieses Gerät geeignet ist, stellt das schon eine ganz neue Qualität dar“, erklärt Wiedemann.

Netzhautprothese nicht für jeden geeignet

ARGUS II wird nur an wenigen Kompetenzzentren in Deutschland eingesetzt. „Mit diesem System gibt es erstmals ein zugelassenes und außerhalb von experimentellen Studien verfügbares Gerät, mit dem wir unseren erblindeten Patienten tatsächlich helfen können“, so Wiedemann. Das betrifft derzeit Patienten mit erblicher Netzhautdegeneration, die zu völliger Erblindung führt, wie Retinitis pigmentosa. Davon betroffen sind ca. 30.000 Menschen in Deutschland. Oft erkranken sie schon in jungen Jahren.

„Ich trage das Gerät jeden Tag, zuerst nur 30 Minuten, jetzt ein bis zwei Stunden“, so Burkhardt. Er freut sich auf das bevorstehende Intensivtraining, zu dem er zunächst wieder an die Uniklinik in Leipzig kommen wird. Nach einem Jahr möchte er das Training abgeschlossen haben. „Das Gerät ist nicht für jeden geeignet“, dämpft Wiedemann zu große Erwartungen. „Die Entscheidung für oder gegen eine solche Operation muss sehr individuell getroffen und gut abgewogen werden.“ 

Foto: © by-studio - Fotolia.com

Autor: red

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