. Weltgesundheitstag am 7. April

Millionen Menschen wissen nichts von ihrem Diabetes

Die Zahl der Diabetiker steigt und steigt. Anlässlich des Weltgesundheitstags am 7. April zeigen sich Experten besorgt. Allein in Deutschland sollen rund zwei Millionen Menschen mit einem unerkannten Diabetes leben.
Diabetes-Experten: Appelle an einen gesunden Lebensstil reichen nicht. Um der Epidemie beizukommen müssten ungesunde Lebensmittel gekennzeichnet und teurer werden

Diabetes-Experten: Appelle an einen gesunden Lebensstil reichen nicht. Um der Epidemie beizukommen müssten ungesunde Lebensmittel gekennzeichnet und teurer werden

Diabetes vom Typ 2 nimmt weltweit rasant zu. In Deutschland hat sich die Zahl der neu Erkrankten seit Beginn des Jahrtausends um 40 Prozent erhöht. Die Deutsche Diabetes Hilfe schätzt, dass mittlerweile 6,7 Millionen Menschen betroffen sind, darunter etwa zwei Millionen Menschen, die nichts von ihrer Zuckerkrankheit wissen. Andere Schätzungen gehen von 1,3 Millionen unerkannten Diabetikern aus. Dazu der Vorstandsvorsitzende von diabetesDE Professor Thomas Danne: „Die Dunkelziffer liegt in jedem Fall in Millionenhöhe, wir gehen von etwa zwei Millionen Betroffenen aus“, sagte er anlässlich des Weltgesundheitstags, der in diesem Jahr die Prävention und Behandlung von Diabetes als Schwerpunkt hat.

Diabetes bleibt lange unbemerkt

Was läuft also falsch? Experte Danne erklärt, dass Diabetes lange unbemerkt verläuft. Ein zu hoher Blutzuckerspiegel verursache keine Schmerzen und jahrelang oft zunächst auch keine weiteren Symptome. Doch ganz davon abgesehen gebe es gravierende Mängel in der medizinischen Versorgung. Es gebe weder eine strukturierte Diabetes-Diagnostik noch genüge der Check-up beim Hausarzt, auf den Versicherte alle zwei Jahre einen Anspruch haben. „Der Umfang der im Rahmen der hausärztlichen Versorgung angebotenen Untersuchung ‚Check-up 35‘ reicht nach unser Ansicht zur Frühdiagnostik nicht aus“, betont er. Gerade Menschen mit einem hohen Risiko für Diabetes Typ 2 seien bei dem Gesundheits-Check nicht eindeutig identifizierbar. Die Diabetes Hilfe diabetesDE fordert deshalb, die Vorsorgeuntersuchung um einen Langzeitblutzuckertest zu ergänzen. Hierbei wird der HbA1c-Wert an zu unterschiedlichen Tageszeiten bestimmt.

Immense Folgekomplikationen und –kosten

Unbehandelt führt Diabetes zu zahlreichen Folgekomplikationen: Nach Auskunft der Diabeteshilfe sterben rund 75 Prozent der Menschen mit Diabetes verfrüht an kardiovaskulären Komplikationen; Typ-2-Diabetes ist außerdem die häufigste Erkrankung, die zu Nierenversagen und Dialysepflichtigkeit führt; und das Diabetische Fußsyndrom zieht jedes Jahr etwa 40.000 Amputationen nach sich.

Übergewicht und ein ungesunder Lebensstil mit wenig Bewegung gehören zu den größten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Diabetes vom Typ 2. Dieser Typ macht rund 90 Prozent aller Diabeteserkrankungen aus. Beim Typ1 handelt es sich dagegen um eine angeborene Immunerkrankung.

Um der Diabetes-Typ2-Epidemie beizukommen hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr Diabetes im Präventionsgesetz verankert. Aus Sicht der Diabetes Hilfe sind die angedachten Maßnahmen jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein: „7 Euro pro Person und Jahr werden nicht viel bewirken können“, ist sich Diabetes-Experte Danne sicher. Auch der im Gesetz verfolgte Schwerpunkt von Eigenverantwortung und Verhaltensprävention werde dem Problem nicht gerecht und erreiche nur die Personen, die ohnehin ein Gesundheitsbewusstsein hätten.

Mit ihrer Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt!“ will die gemeinnützige Organisation auf die Diabetespandemie aufmerksam machen. Gefordert wird unter anderem eine Steuer auf zucker- und fetthaltige Lebensmittel, eine Lebensmittelampel und verbindliche Qualitätsstandards für die Verpflegung in Kindergarten- und Schulen.

Foto: © Syda Productions - Fotolia.com

Autor: ham
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