Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Meniskus: Knietraining genauso wirksam wie OP

Donnerstag, 4. August 2016 – Autor:
Bei degenerativen Meniskusschäden kann ein unter Aufsicht durchgeführtes Sportprogramm zur Stärkung der Kniemuskulatur genauso gute Ergebnisse wie eine arthroskopische Operation bringen. Das hat eine aktuelle Studie gezeigt.
Knieprobleme: OP oder Training?

Bei einem Meniskusschaden kann ein spezielles Sportprogramm helfen – Foto: underdogstudios - Fotolia

Schon länger weiß man, dass bei einem Meniskusschaden eine Operation nicht immer die richtige Wahl ist. Studien haben gezeigt, dass ein Jahr nach der Operation die Schmerzen nur selten geringer sind als ohne OP. Mediziner vermuten, dass sich durch den Eingriff die degenerativen Veränderungen, die oft der eigentliche Auslöser für die Probleme am Knie sind, nicht beseitigen lassen. Meist liegt der Grund in einer Schwäche der Muskeln, die das Kniegelenk stabilisieren sollen. Ursachen dafür können wiederum zu wenig Bewegung oder einseitige Belastungen sein.

Wissenschaftler um Nina Jullum Kise vom Martina Hansens Hospital in Sandvika bei Oslo haben nun überprüft, ob ein spezielles Sportprogramm die Kniebeschwerden bei Meniskusschaden genauso gut beseitigen kann wie eine OP. Für die Studie wurden 140 Patienten mit degenerativen Meniskusschäden einem Sportprogramm unterzogen, das von den Studienautoren speziell für diese Probleme entwickelt wurde.

Training ist OP sogar etwas überlegen

Die Studienteilnehmer waren im Durchschnitt 50 Jahre alt. Bei ihnen war mittels Kernspintomographie ein degenerativer Meniskusriss diagnostiziert worden; die meisten Probanden wiesen jedoch noch keine röntgenologischen Hinweise auf eine Arthrose auf. Über 12 Wochen und bis zu dreimal in der Woche erhielten die Patienten nun ein Aufbautraining, das die Muskulatur stärken und die muskuläre Kontrolle verbessern sollte. Die Ergebnisse wurden dann mit den Resultaten einer arthroskopischen Teil-Meniskektomie verglichen.  

Wie sich zeigte, kam es in beiden Gruppen zu einer Verbesserung der Symptome. In der Sportgruppe konnte nach zwei Jahren sogar ein leichter Vorteil festgestellt werden, der jedoch statistisch nicht signifikant war. Das Trainingsprogramm hatte die Muskelkraft und die Leistung in einigen Tests (Hüpfen, Kniebeugen) deutlich verbessert. Die Vorteile ließen nach dem Ende des Trainingsprogramms nach; daher vermuten die Forscher, dass ein fortgesetztes Training die Ergebnisse möglicherweise weiter verbessert hätte.

 

Vor Knie-Operation eine Zweitmeinung einholen

Dass viele Knie-Operationen überflüssig sind, haben mittlerweile auch die Krankenkassen erkannt. Anfang des Jahres hatte die Barmer GEK ihren Mitgliedern geraten, vor einer Knie-Operation immer die Zweitmeinung eines Experten einzuholen. „Vor allem jüngere Patienten sollten vor einer komplizierten Knie-Operation eine Zweitmeinung einholen, um einen übereilten oder fehlerhaften Eingriff zu vermeiden“, erklärte Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer GEK. Bislang hat etwa jeder dritte Patient, der sich eine Zweitmeinung eingeholt hat, auf eine Knie-Operation verzichtet.

Foto: © underdogstudios - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arthrose , Knie , Schmerzen , Gelenkschmerzen , Rheumatoide Arthritis , Orthopädie , Chirurgie , Gelenke , Arthroskopie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Knieprobleme

09.08.2018

Ein Meniskusriss wird häufig mit einer arthroskopischen Operation behandelt. Doch oft kommen Betroffene auch mit Gymnastik und Physiotherapie zum Ziel, betonen Sportwissenschaftler. Sie haben mehrere Studien zum Thema analysiert.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Der Herzinfarkt gehört zu den Notfällen, bei denen man sofort 112 wählen und den Notarzt rufen muss – lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Die typischen Symptome sind aber anders, als manche denken. Und bei Frauen oft anders als bei Männern.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin