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02.07.2016

Länger anhaltende Trauer ist keine Krankheit

Die WHO will eine länger als üblich anhaltende Trauer in den Katalog psychischer Störungen aufnehmen. Dagegen positioniert sich der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) entschieden. Trauer solle nicht als Krankheit missverstanden werden.
Trauer braucht Zeit

Trauer ist keine psychische Störung, sagt der DHPV

Trauer ist ein Prozess, der bei jedem Menschen unterschiedlich viel Zeit benötigt. Manchen Menschen gelingt es schon wenige Monate nach dem Tod eines geliebten Menschen, sich wieder dem Leben zuzuwenden, andere versinken über Jahre in tiefen Kummer, wenden sich von ihren Mitmenschen ab und sehen keinen Sinn mehr im Leben. Hilfe und Unterstützung kann jeder Mensch gebrauchen, der trauert. Dennoch ist Trauer normalerweise keine Krankheit, vielmehr ein wichtiger, auf Dauer heilsamer Prozess. Ob es sich allerdings bei einer besonders langanhaltenden Trauer um eine psychische Störung handelt, ist umstritten.

Trauer ist ein wichtiger Prozess

Derzeit wird die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebene internationale Klassifikation psychischer Störungen überarbeitet. In diesem Rahmen schlägt die Arbeitsgruppe der WHO für stressbezogene Störungen die Aufnahme der „anhaltenden Trauerstörung“ als eigenständige psychische Störung vor. Der Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV) positioniert sich eindeutig dagegen.

Die Experten des DHPV befürchten, dass in Zukunft jede anhaltende Trauer als seelische Krankheit definiert wird. Die Bezeichnung „anhaltende Trauerstörung“ halten sie für irreführend, weil Trauerzeit sehr individuell und unterschiedlich sei. Durch Festlegungen von bestimmten Zeiten würden Prozesse der Trauer eingegrenzt und normiert werden. Zudem entstehen Störungen in diesen Prozessen nicht durch die Trauer an sich, sondern durch den Verlust einer nahen Bezugsperson, so die Vertreter der DHPV. Trauer hingegen habe heilende Kraft und könne beispielsweise dem Entstehen von Depressionen entgegenwirken.

 

Der Trauer Zeit geben

Professor Winfried Hardinghaus, Vorsitzender des DHPV, erklärt: „Die unter dem Dach des DHPV organisierten Hospiz- und Palliativeinrichtungen und -dienste engagieren sich in vielen Städten und Gemeinden in der Begleitung trauernder Menschen, etwa in Trauer-Cafés, Trauergruppen oder auch durch Einzelbegleitungen. Gemeinsam treten wir dafür ein, der Trauer Zeit zu geben. Trauer ist unserem Verständnis nach eine natürliche Reaktion auf einen schweren Verlust. Sie ist notwendig, um mit dieser Situation umzugehen.“

Bei besonders schweren Verlusten, zum Beispiel beim Tod eines Kindes, sollte den betroffenen Menschen allerdings bei Bedarf eine ihnen entsprechende therapeutische Unterstützung ermöglicht werden. Auch andere Situationen, wie beispielsweise der Suizid eines Angehörigen, können zu „erschwerter Trauer“ führen. Hier benötigen die Betroffenen eine besondere Begleitung durch Personen, die für diese Aufgaben speziell geschult sind.

Foto: © mario_vender - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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