Prof. Dr. med. Detlev Ganten
Wissen ist Kapital
Es war kein anderer als Detlev Ganten, der im Jahr 2004 die medizinischen Fakultäten Berlins zu einem Universitätsklinikum namens Charité zusammenführte. Trotz widrigster Bedingungen ist dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Charité die „Quadratur des Kreises“ gelungen. Vier Jahre bleibt er Chef von Europas größtem Universitätsklinikum, das er als „fantastische Einrichtung, die eine reale Keimzelle für die Entwicklung Berlins als Gesundheitsstadt, ja als Wissensstadt ist“, bezeichnet.
Auch als Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Charité bleibt der Bluthochdruckforscher und Philosophieliebhaber dieser „fantastischen Einrichtung“ verbunden. Die unter seiner Ägide gegründete Stiftung will aus dem Universitätsklinikum eine „Marke“ machen, und zwar eine erstklassige. „Das Wesen einer Wissensgesellschaft ist es, aus Wissen Geld zu machen, aber das Geld auch wieder in Wissen zu stecken“, so der theoretische Überbau, der in praxi bedeutet, aus den unzähligen Patenten der Charité marktfähige Produkte zu entwickeln.
Seinem Glauben an die Wissenschaft hat Ganten 2009 ein besonderes Format verliehen. Mit dem jährlich wiederkehrenden World Health Summit will er „Gesundheit“ weltweit auf die Liste der Top-Themen setzen. Aus dem Weltgesundheitsgipfel hat sich bereits eine M8 Allianz formiert – ein Netzwerk aus führenden akademischen Einrichtungen, das inzwischen zu einer festen Größe bei der Ausarbeitung neuer Strategien für globale Gesundheitsfragen geworden ist. „Der Weltgesundheitsgipfel wird als Ratgeber für die Politik sehr ernst genommen“, sagt Ganten. Das habe etwa die Schirmherrschaft von Nikolas Sarkozy und Angela Merkel gezeigt.
Gantens Weg zum Wissenschaftler und Manager kam schleichend. Es gab keinen festen Plan, alles hat sich irgendwie ergeben. Mit 15 Jahren geht er von der Schule ab, arbeitet in der Landwirtschaft und kehrt nach zwei Jahren in die Schule zurück. Er macht Abitur und studiert Medizin. Als frischgebackener Arzt operiert er viel und will Chirurg werden, aber dieser Wunsch verliert sich irgendwo auf dem Weg nach Kanada. Am Clinical Research Institute der McGill Universität in Montreal forscht er mehrere Jahre und macht hier seinen Doctor of Philosophy (Ph.D.). In Kanada kommen auch seine beiden Söhne zur Welt. 1975 wird Detlev Ganten an das Pharmakologische Institut der Universität Heidelberg berufen und 18 „wunderbare“ Heidelberger Jahre folgen. Ganten macht sich einen Namen als Bluthochdruckforscher und wird Mitbegründer der Hochdruckliga. Als Bluthochdruckforscher klärt er grundlegende Mechanismen der Entstehung des Bluthochdrucks auf und erforscht die hormonale Regulation des Blutdrucks, besonders das Renin-Angiotensin-System.
Wieder bringt das Schicksal eine Wende. 1989 fällt die Mauer. Als Mitglied des Wissenschaftsrates obliegt es ihm, alle medizinisch-biologischen Einrichtungen der DDR zu begutachten. Darunter auch das Institut in Berlin Buch. Am 5. September 1991 wird Ganten zum Gründungsdirektor und Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch berufen. Zugleich wird er Lehrstuhlinhaber für Klinische Pharmakologie an der FU Berlin. 13 Jahre lang leitet er - sehr erfolgreich - das Bucher Institut, und sicher würde er es noch heute tun, wäre da nicht die Sache mit der Fusion der Charité gekommen.
Portraitiert von Beatrice Hamberger


