Daniel Bahr im Portrait
Jung und Hoffnungsträger
Daniel Bahr sieht seine Chance darin, viele Themen aus junger Perspektive anzugehen, und er war klug genug, anders als sein Vorgänger Philipp Rösler, nicht zu viele Versprechungen im Vorfeld zu machen. Das Versorgungsstrukturgesetz oder die Verbesserungen der Pflegeleistungen für Demenzkranke, kann sich der junge Minister mit den marktliberalen Ansichten immerhin als erste Amtshandlungen auf die Fahne schreiben. Und auch das Patientenrechtegesetz, das noch 2012 in Kraft treten soll, dürfte ihm wenig Kritik einbringen. Der Kritik, dass die Pflegereform dürftiger als erwartet ausgefallen ist, entgegnet Bahr „dass die Pflegeversicherung eine Teilkostenversicherung ist und ein Eigenanteil immer zu leisten sein wird“.
Für die kriselnde FDP ist der smarte Sunnyboy aus Münster ein Hoffnungsträger. Er kann Politik verkaufen und macht auf die meisten einen durchaus sympathischen Eindruck. Auch sein Lebenslauf weist keine Lücken auf.
Sein politisches Engagement begann schon zu Schulzeiten. Mit 14 wurde Daniel Bahr Mitglied der Jungen Liberalen (JuLis), 1992 tritt er der FDP bei, weil er überzeugt ist, dass sie Werte wie Freiheit des Bürgers und dessen Bewahrung vor staatlicher Bevormundung am glaubhaftesten vertritt. 2002 zieht er in den Bundestag, drei Jahre später wird er Gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. Mit einer soliden Lehre als Bankkaufmann, einem Bachelor in Volkswirtschaft und neun Jahren Berufspolitik im Rücken wird Daniel Bahr im Herbst 2009 Parlamentarischer Staatssekretär unter dem damaligen Bundesgesundheitsminister Philip Rösler.
Bahr wählte die Gesundheitspolitik auch, weil er damit sein Lieblingsthema anpacken konnte: die Generationengerechtigkeit. Was etwa Pflegebedürftigkeit bedeutet, hat er hautnah erfahren. Nachdem sein Großvater einen Schlaganfall erlitten hatte, hat ihn die Familie von Kiel nach Münster geholt. "In der Pflege ist zuerst die Familie gefordert", sagt Bahr. Deswegen will er mit der Pflegreform die Familien und Angehörigen von Pflegebedürftigen entlasten.
Sich selbst hält der Sohn aus katholischem Elternhaus mit Laufen fit. Für ihn ist der Sport eine willkommene Ablenkung und Erholung. In seiner Heimatstadt Münster, in der Bahr mit seiner Frau Judy Witten lebt, ist er 2007 den ersten Marathon gelaufen und hat sich damit einen Traum erfüllt. Eine mindestens ebenso vergnügliche Ablenkung für den Gesundheitsminister ist das Kochen. Eines seiner Lieblingsrezepte ‚Risotto Giallo‘ stellt er im Kochbuch „Das Parlament kocht“ vor. Für Daniel Bahr „könnten sich Politiker die Maximen von Spitzenköchen durchaus zum Vorbild nehmen: „Nachdenken, Teamarbeit und Planung. Und am Schluss sollte das gemeinsame Genießen der Erfolge stehen“.
Beatrice Hamberger, Januar 2012

