. Psychische Erkrankungen

Depersonalisationssyndrom häufig nicht erkannt

Obwohl das Depersonalisationssyndrom seit Jahrzehnten als psychische Störung bekannt ist, wird die Diagnose nur extrem selten gestellt. Eine neue Leitlinie soll Fach- und Allgemeinärzte nun über das Krankheitsbild und die Therapiemöglichkeiten informieren.
Depersonalisationssnydrom besser behandeln

Von Depersonalisation Betroffene empfinden die eigene Person als fremd

Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet irgendwann im Laufe des Lebens am Depersonalisations- oder Derealisationssyndrom. Betroffene befinden sich über Monate oder sogar Jahre in einem veränderten Bewusstseinszustand, den sie als unwirklich oder „wie in einem Film“ beschreiben. Sie fühlen sich von ihren eigenen Empfindungen und/oder der Außenwelt wie abgetrennt. Zu Beginn der Erkrankung vermuten die Patienten häufig eine organische Ursache, weshalb sie zuerst ihren Hausarzt, Neurologen oder auch Augenarzt aufsuchen. So nehmen die Betroffene beispielsweise an, etwas stimme mit ihren Augen nicht, oder sie glauben, an einem Hirntumor erkrankt zu sein.

Betroffenen schneller helfen

Da Allgemeinmediziner, aber auch Fachärzte für psychische Erkrankungen das Syndrom häufig nicht kennen, vergehen oft etliche Jahre, bis die Patienten eine angemessene Behandlung erhalten. Dabei ist das Depersonalisations-/Derealisationssyndrom seit Jahrzehnten in den maßgeblichen diagnostischen Klassifikationssystemen eindeutig definiert. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) will nun auf das Krankheitsbild aufmerksam machen und hat gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften eine Leitlinie zur Aufklärung veröffentlicht. Die Experten erhoffen sich davon, dass das Depersonalisations-/Derealisationssyndrom schneller erkannt und adäquat behandelt wird, so dass Patienten ein langer Leidensweg erspart wird.

Obwohl das Depersonalisations-/Derealisationssyndrom sich eindeutig von psychotischen Erkrankungen wie der Schizophrenie abgrenzen lässt, werden die Patienten nicht selten mit Antipsychotika behandelt. „Es gibt aber bisher kein Medikament, das zur Behandlung des Syndroms zugelassen ist. Die Therapie der Wahl ist eindeutig eine Psychotherapie“, erklärt Dr. Matthias Michal, Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

Depersonalisationssyndrom: Leiden unter dem Gefühl von Unwirklichkeit

Betroffene beschreiben ihre Symptome häufig als Gefühl, „nicht richtig hier zu sein" oder wie „neben sich zu stehen“ und klagen über ein Gefühl von Unwirklichkeit. Sie erleben ihre Umwelt als fremd, unecht, künstlich oder wie hinter einem Schleier. Auch die eigenen Handlungen werden häufig als fremd empfunden.

Obwohl sie eng zusammenhängen, kann man das Depersonalisations- von dem Derealisationssyndrom unterscheiden. Bei der Depersonalisation berichten Betroffene, dass ihnen ihre eigenen Empfindungen fremd sind und dass Gefühle und Bewegungen zu jemand anderem zu gehören scheinen. Bei der Derealisation empfinden die Patienten die Umgebung oder bestimmte Objekte als fremd, verzerrt, farblos oder leblos, oder sie empfinden die Welt um sich herum wie einen Film oder ein Theaterstück. Beide Gefühle können sehr kurz auftreten, was meistens unbedenklich ist. Wenn sie jedoch längere Zeit anhalten, ist meistens eine Behandlung nötig.

Foto: © lassedesignen - Fotolia.com

Autor: red

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