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Damit aus Heuschnupfen nicht Asthma wird

Dienstag, 3. Mai 2016 – Autor:
Laut Kinder- und Jugendärzten reagiert bereits jedes sechste Kind allergisch auf Pollen. Bei einem Drittel der kleinen Patienten entwickelt sich aus dem Heuschnupfen später Asthma, warnt das Institut für Prävention und Früherkennung (IPF) zum Welt-Asthma-Tag 2016.
Jedes sechste Kind reagiert bereits allergisch auf Pollen

Aus Heuschnupfen kann sich allergisches Asthma entwickeln – Foto: Robert Kneschke - Fotolia

Heuschnupfen entsteht, wenn das Immunsystem des Körpers die harmlosen Eiweiße der Pollen als gefährliche Krankheitserreger missversteht. Um sie zu bekämpfen, produziert der Organismus Antikörper, die beim Kontakt mit dem Allergen aktiv werden. Dabei setzt er große Mengen des Botenstoffes Histamin frei. Dieses löst die allergischen Symptome der oberen Atemwege aus. Die Nase juckt, die Augen tränen, man muss niesen.

Wenn die Allergie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird, besteht das Risiko für einen Etagenwechsel. Dann lösen die Pollen auch eine Entzündung der unteren Atemwege aus, es kommt zu Asthma. Die Schleimhaut der Bronchien schwillt an, die Muskulatur verkrampft sich, es wird mehr Schleim produziert, die Atemwege verengen sich. Das führt zu Husten und Atemnot, Atemgeräuschen und Beklemmungsgefühlen. Allerdings sind die Symptome bei Kindern oft nicht so eindeutig wie bei Erwachsenen.

Immuntherapie: Damit aus Heuschnupfen nicht Asthma wird

Asthma bronchiale - es kann auch ohne allergischen Hintergrund entstehen -  ist nicht heilbar und verläuft je nach Auslöser anfallsweise. Beschwerden wechseln sich mit beschwerdefreien Phasen ab. Die Symptome lassen sich zum Beispiel mit Inhalatoren meist gut kontrollieren, dennoch müssen die Patienten dauerhaft Medikamente einnehmen und sind in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.

Eine spezifische Immuntherapie (SIT oder Hyposensibilisierung) ist die einzige Möglichkeit, den Heuschnupfen ursächlich zu behandeln – und das Risiko für allergisches Asthma zu senken. Sie schlägt bei circa 80 Prozent der Patienten an und ist im Kindesalter wirksamer als bei Erwachsenen.

 

Immuntherapie mit steigenden Dosen des Allergens

Bei der Immuntherapie wird der Körper über drei Jahre lang mit steigenden Dosen an das Allergen gewöhnt, bis er es toleriert und das Immunsystem nicht mehr reagiert - erst in wöchentlichen, dann in monatlichen Spritzen. Alternativ zur Spritzentherapie gibt es auch eine Immuntherapie in Tablettenform. Diese steht laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund jedoch nur für Gräserpollen zur Verfügung.

Zuvor ist eine präzise Diagnose nötig. Mittels Blutprobe identifizieren Labormediziner, welche Stoffe die Allergie auslösen (IgE-Test). Moderne Laborverfahren wie die Molekulardiagnostik messen einzelne Bestandteile eines Allergens und identifizieren, welches Protein genau zur allergischen Reaktion führt.

Primärsensibilisierung von Kreuzreaktion unterscheiden

Mediziner können so Primärsensibilisierungen von Kreuzreaktionen unterscheiden. Etwa 50 Prozent der Patienten, die auf Birkenpollen allergisch reagieren, vertragen auch bestimmte Lebensmittel wie Nüsse oder Äpfel nicht – die Allergene ähneln sich so sehr, dass der Organismus sie nicht unterscheiden kann. Der Allergologe erkennt jedoch aufgrund des Laborergebnisses, dass er gegen Birkenpollenallergie behandeln muss.

Aber auch Hausstaub-Milben, Schimmelpilze oder Tierhaare können zu einer allergischen Reaktion der Atemwege führen.

Foto: Underdogstudios

Hauptkategorie: Medizin
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