. Tierversuche

2,8 Millionen Tiere halten für die Forschung her

Nach der neuesten Versuchstierstatistik wurden 2014 knapp 2,8 Millionen Tiere in wissenschaftlichen Studien eingesetzt. Ein Drittel davon für die Grundlagenforschung. Das wirft Fragen auf.
Leiden für die Forschung: Tierversuche lassen sich nicht 1:1 auf den Menschen übertragen

Leiden für die Forschung: Alternativen zu Tierversuchen werden noch zu selten genutzt

Am Mittwoch hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Zahl der Versuchstiere für 2014 veröffentlicht. Danach wurden 2.798.463 Tiere für wissenschaftliche Studien „verwendet“. 2013 waren es sogar noch mehr, nämlich 2.997.152 Tiere. Dabei machen Nagetiere wie Mäuse und Ratten mit 83 Prozent die große Mehrheit der Versuchstiere aus. Affen werden mit 0,1 Prozent dagegen eher selten in der Forschung eingesetzt. Etwa ein Drittel aller Tierversuche dient der Grundlagenforschung. Hierfür werden die Tiere nicht selten mit Krankheiten infiziert, massivem Stress und anderen Qualen ausgesetzt und anschließend getötet. Heiligt der Zweck wirklich die Mittel?

92 Prozent der Medikamente fallen nach Tierversuchen durch

„Die Forschung ist auf Tierversuche angewiesen, da sich nicht alle Vorgänge im lebenden Körper im Reagenzglas oder auf dem Computer simulieren lassen“, sagt Stefan Treue, Präsidiumsbeauftragter der Leibniz-Gemeinschaft für Tierschutz und Direktor des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen. Seiner Auskunft nach hat das Wohlergehen der Versuchstiere in den 20 Laboren der Leibniz-Gemeinschaft, die mit Tieren arbeiten, höchste Priorität. Ob „ausgebildetes Personal“ allerdings die Qualen einer gelähmten Laborratte lindern kann, sei dahingestellt.

Tierschutzorganisationen bezeichnen Tierversuche dagegen nicht nur als grausam, sondern auch als unnötig. „92 Prozent aller neuen Medikamente fallen in klinischen Versuchen durch, nachdem sie im Tierversuch bestanden haben“, erläutert ein Sprecher der Tierschutzorganisation peta. Das zeige, dass die aus Tierversuchen gewonnenen Ergebnisse eben nicht exakt auf den Menschen übertragen werden können. „Die physiologischen Unterschiede zwischen Menschen und anderen Tieren sind zu groß.“

Suche nach Alternativmethoden

Dabei gibt es heute viele Alternativen zu Tierversuchen, etwa Forschung mit Stammzellen, Kernspintomografen oder Computersimulationen. Nach Auffassung der Tierschutzorganisation peta könnten durch alternative Methoden viele Medikamente sogar besser erforscht werden. Die Pharmaindustrie gibt diesem Statement mit ihrem  ausgelobten „Forschungspreis für Alternativen zu Tierversuchen“ sogar indirekt Recht. Der Preis soll für Wissenschaftler ein Ansporn sein, weiter nach Alternativmethoden zu suchen.

Auch die Leibniz-Gemeinschaft, die Tierversuche ansonsten vehement verteidigt, rühmt sich mit Meriten auf diesem Gebiet. So konnte kürzlich eine Forschungsgruppe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung in Dortmund Zellen aus harnableitenden Geweben (Urothelzellkulturen) gewinnen. Mit den Zellen kann die Wirkung von gefährlichen Chemikalien auf die Harnblase untersucht werden, ohne dass ein Tier dafür leiden muss.

Foto: © Tran-Photography - Fotolia.com

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